Donnerstag, 19. September 2019

Regeln missachtet Aufsicht rügt Deutsche Bank in Libor-Affäre

"Die Abberufung eines Vorstands steht nicht zur Debatte": Der heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain hatte bis Frühjahr 2012 das Investmentbanking der Deutschen Bank geführt, in dem die Libor-Manipulationen geschahen.

In der Libor-Affäre rügt die Finanzaufsicht die Deutsche Bank wegen zu lascher Kontrollen. Sie hat offenbar einfachste Regeln missachtet. Ein kriminelles Versagen des Vorstands kann die Behörde aber nicht erkennen.

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank hat die Ermittlung des Referenzzinses Libor zu wenig kontrolliert, organisierte Kriminalität auf Vorstandsebene gab es aber nicht: Zu diesem Schluss kommt Finanzkreisen zufolge die Finanzaufsicht Bafin in ihrem Abschlussbericht über die Verwicklung der Bank in die Manipulation von Interbanken-Zinssätzen.

Der Bericht werde voraussichtlich in dieser Woche an den deutschen Branchenprimus geschickt, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Die Untersuchungen seien damit aber noch nicht abgeschlossen. "Die Verantwortlichkeiten einzelner Personen sollen nun noch genauer beleuchtet werden", sagte der Insider.

Der Vorstand habe aber nichts zu befürchten. "Die Abberufung eines Vorstands steht nicht zur Debatte." Der heutige Co-Vorstandschef Anshu Jain hatte bis zum Frühjahr 2012 das Investmentbanking der Deutschen Bank geführt, in dem die Manipulationen geschahen.

Deutsche Bank spricht erneut von Verfehlungen einzelner

Bafin-Chefin Elke König hatte schon im Frühjahr erklärt, die deutschen Banken hätten offenbar das Potenzial unterschätzt, das in den Meldungen von Libor- und Euribor-Zinssätzen stecke. Die Branchen-Zinssätze beruhen auf Meldungen der einzelnen Banken über ihre Konditionen, zu denen sie sich bei Konkurrenten Geld leihen.

Händler weltweit hatten mit teilweise falschen Angaben das Branchenbarometer manipuliert, von dem Finanztransaktionen und -produkte in einem mehrstelligen Billionen-Volumen abhängen.

Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen bekräftigte am Montag, nach ihren eigenen Untersuchungen sei "nach aktuellem Stand (...) kein amtierendes oder früheres Mitglied des Vorstands in irgendeine unangemessene Weise in die untersuchten Vorgänge um Referenzzinssätze verwickelt". Eine "begrenzte Zahl von Mitarbeitern" habe auf Eigeninitiative entgegen der Standards der Bank gehandelt. Die Deutsche Bank hatte sieben Händler deswegen entlassen. Es seien schon Maßnahmen getroffen worden, um solches Fehlverhalten zu verhindern, weitere würden noch getroffen.

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