Sonntag, 26. Januar 2020

Bilanzrisiken Bankenaufseher nehmen Bewertungs-Wildwuchs ins Visier

Bankentürme in Frankfurt: Die Berechnung der Risiken soll vereinheitlicht werden

Wie sicher ist der Bankensektor? Bislang konnten die Geldhäuser ihre Risiken künstlich kleinrechnen. Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht will diese Manipulation, der auch der Deutschen Bank vorgeworfen wird, unterbinden. Aus Deutschland kommt Kritik.

London - Die weltweit führenden Bankenaufseher wollen die Freiheit der Geldhäuser bei der Berechnung eigener Risiken beschneiden. Während kleine Banken die Risikogewichte ihrer Vermögenswerte mit dem sogenannten Standardansatz ermitteln, verwenden vor allem große Geldhäuser individuelle Modelle, die aber von den Regulierern genehmigt werden müssen.

Aufsichtsexperten hatten in einer Studie Alarm geschlagen, dass die internen Einschätzungen der Gefahren in den Handelsbüchern zu stark auseinanderklafften. Damit könnten die Banken ihre Risiken künstlich kleinrechnen. Das ganze System sei zu anfällig für Manipulationen.

Der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht kündigte am Donnerstag nun eine Prüfung an, ob der Standardansatz als eine Art Untergrenze für die Ergebnisse herangezogen werden soll, die sich aus den internen Risikomodellen ergeben.

Je geringer das Risiko, desto weniger Eigenkapital müssen die Banken dafür vorhalten. Geldhäuser wie die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen und die Aareal Bank Börsen-Chart zeigen hatten ihre Eigenkapitalquoten mit internen Modellen aufgebessert. Innerhalb Europas sind jedoch ohnehin einheitliche Bilanzregeln als Teil der künftigen gemeinsamen Bankenaufsicht durch die EZBgeplant.

Kritik aus Deutschland

Vor einer Entscheidung will der Baseler Ausschuss aber in einer Studie untersuchen, wie sich eine stärkere Angleichung von internen und Standardmodellen auswirken würde. Die Banken können zu dem Vorstoß bis Januar 2014 Stellung nehmen.

Zunächst setzen die Aufseher aber auf die disziplinierende Wirkung der Transparenz: Alle Banken, die interne Modelle verwenden, müssen nach dem Vorschlag ihre Handelsrisiken auch nach dem Standardansatz berechnen und veröffentlichen, damit sich Analysten und Ratingagenturen ein besseres Bild machen können. Zugleich soll das Standardmodell so angepasst werden, dass es die Risiken der einzelnen Geschäfte besser abbildet, aber für kleinere Banken weiterhin taugt.

Deutsche Bankenaufseher und Experten haben davor gewarnt, die Studien zur Anwendung der Modelle zu überschätzen. Große Teile der Unterschiede ließen sich durch nationale Bilanz- und Aufsichtsregeln erklären. Zudem hätten Banken bestimmte Risiken besser im Griff als andere, was deren geringere Unterlegung mit Eigenkapital rechtfertige.

mahi/rtr

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