Ärger mit Biden-Regierung Versicherungsmakler stoppen 30-Milliarden-Dollar-Fusion

Nach Streit mit der US-Regierung blasen die Konzerne Aon und Willis Towers Watson einen der größten Deals des Jahres ab. Nun könnte die Angst vor Monopolen auch andere Branchen treffen.
Geplatzt: Aon wollte mit der Fusion an Marktführer Mersh vorbeiziehen.

Geplatzt: Aon wollte mit der Fusion an Marktführer Mersh vorbeiziehen.

Foto: Loren Elliott / REUTERS

Es sollte eine Megafusion werden. Die beiden Versicherungsmakler Aon und Willis Towers Watson wollten mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Dollar gemeinsam zum größten Versicherungsmakler der Welt aufsteigen. Doch nun haben die Konzerne, die beide ihren Sitz in Irland haben, den geplanten 30-Milliarden-Dollar-Deal gestoppt. Einwände der US-Regulierungsbehörden hätten zu inakzeptablen Verzögerungen und Unsicherheiten geführt hätten, erklärten sie am Montag.

Insbesondere die Kartellwächter im US-Justizministerium (DoJ) hatten Sorgen vor einer weiteren Einschränkung des Wettbewerbs und womöglich steigenden Preisen; sie hatten im vergangenen Monat geklagt, um die Fusion zu blockieren. Das Aus wird daher als Sieg für die Regierung von Joe Biden (78) und deren schärfere Wettbewerbspolitik interpretiert. Die EU-Kommission hatte den Deal kürzlich unter Auflagen genehmigt.

"Wir sind mit dem US-Justizministerium in eine Sackgasse geraten", erklärte Aon-Vorstandschef Greg Case (58). Den Konzernen hätte ein monatelanger Gerichtsstreit gedroht, der sich vermutlich noch bis weit ins Jahr 2022 gezogen hätte. Aon wird nun wie in den Fusionsverträgen vereinbart eine Abfindungszahlung in Höhe von einer Milliarde Dollar an Willis zahlen. Willis verkündete seinerseits, die Aktienrückkäufe um eine Milliarde Dollar zu erhöhen.

Beobachterinnen und Beobachter betonen vor allem die Signalwirkung. Sie erkennen im deutlichen Einschreiten der US-Behörden einen neuen Kurs in Monopolfragen, der auch für andere Branchen relevant sein könnte. Die Verwaltung "hält die Konzentration auch in Sektoren niedrig, die nicht so sichtbar sind ... wie Versicherungen", erklärte die Ökonomin Fiona Scott Morton, die an der Yale School of Management lehrt. Womöglich könnten nun auch Konzerne, die sich ebenfalls in Fusionsgesprächen befinden, Probleme bekommen.

Die Investoren scheinen genau damit zu rechnen. So sprang etwa der Aktienkurs von Discovery im frühen Handel um zehn Prozent nach oben. Das Medienunternehmen hatte im Mai einen Zusammenschluss mit der zum Telekomriesen AT&T gehörenden WarnerMedia für 43 Milliarden Dollar angekündigt. Und die Aktien des Eisenbahnbetreibers Kansas City Southern fielen um knapp zwei Prozent. Das Unternehmen soll von Canadian National Railway übernommen werden, obwohl die Biden-Administration die Schifffahrtskosten in diesem Sektor im Visier hat.

lhy/Reuters
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