Nach Wirecard-Mail Deutsche Bank entmachtet Aufsichtsrat Alexander Schütz

Die Deutsche Bank zieht Konsequenzen aus einer pikanten Wirecard-Mail. Aufsichtsrat Alexander Schütz, als Vertreter des inzwischen kollabierten chinesischen Großaktionärs HNA ins Gremium gekommen, darf in keinem Ausschuss mehr mitreden.
Verjagt aus den Banktürmen: Die Deutsche Bank hat ihren Aufsichtsrat Alexander Schütz aus wichtigen Ämtern entfernt - wegen einer Wirecard-Mail

Verjagt aus den Banktürmen: Die Deutsche Bank hat ihren Aufsichtsrat Alexander Schütz aus wichtigen Ämtern entfernt - wegen einer Wirecard-Mail

Foto: ARMANDO BABANI / AFP

Der in Kritik geratene Deutsche-Bank-Aufsichtsrat Alexander Schütz (53) hat kein wichtiges Amt mehr im Kontrollgremium der Bank. Der Österreicher ist nicht mehr Mitglied des Nominierungsausschuss, wie aus der online veröffentlichten Liste der Aufsichtsratsausschüsse  der Bank hervorgeht. Dieser Ausschuss ist wichtig, weil in ihm Personalien beraten werden. Bankchef Christian Sewing (50) wies auf der Jahresmedienkonferenz der Deutschen Bank am Donnerstag auf die Postenverteilung hin - als Antwort auf eine Frage zu Schütz' Verbindung mit Wirecard, die er nicht weiter kommentieren wollte.

Schütz ist wegen einer Email an Ex-Wirecard-Chef Markus Braun (51) in die Kritik geraten. Er hatte im Februar 2019 in einer persönlichen Mail an Braun geschrieben, Wirecard solle die Wirtschaftszeitung "Financial Times" wegen ihrer kritischen Berichte über Wirecard "fertigmachen". Außerdem schrieb Schütz seinem Landsmann, "hab ja in der 'FT' gelesen, dass du ganz ein Schlimmer bist", gefolgt von einem Zwinker-Smiley. Der Bankkontrolleur erklärte, er habe privat Wirecard-Aktien gekauft. Im Juni 2020 meldete der Zahlungsanbieter Insolvenz an, Braun sitzt seither wegen des Verdachts auf gewerbsmäßigen Betrug in Haft.

Die Email, die Reuters vorliegt, wurde bei einer Befragung von Bankchef Sewing im parlamentarischen Untersuchungsausschuss Mitte Januar publik. Daraufhin hatte sich die Bank in ungewöhnlich deutlichen Worten von dem Österreicher distanziert. Sowohl Inhalt als auch Haltung der zitierten Aussage seien "inakzeptabel". Ein Sprecher von Schütz sagte, dieser habe sich für einen Rückzug entschieden, um sich weiteren Verpflichtungen bei einem anderen Unternehmen angemessen widmen zu können.

Der Österreicher war 2017 in den Aufsichtsrat eingezogen, auf Vorschlag des chinesischen Konglomerats HNA, das damals eine Kapitalerhöhung zur Rettung der Bank stützte und damit zum größten Aktionär des Konzerns aufstieg. Seitdem geriet jedoch HNA selbst in Turbulenzen und stieg aus der Deutschen Bank notgedrungen wieder aus. Zwischenzeitlich übernahm Schütz selbst mit seinem Wiener Vermögensverwalter C-Quadrat die verbliebenen Anteile. Inzwischen haben die Gläubiger von HNA in China einen Insolvenzantrag gestellt.

Schütz selbst ist seit Dezember auch nicht mehr an der Deutschen Bank beteiligt - sein Aufsichtsratsmandat könnte er aber behalten. Aufsichtsräte können vor Ablauf ihrer Amtszeit nur durch einen mehrheitlichen Beschluss auf der Hauptversammlung ausgetauscht werden oder wenn das Mitglied von sich aus zurücktritt. Schütz ist bis 2023 gewählt.

ak/Reuters
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