Neuer Job für Aditya Puri Der wohl weltbeste Banker will kein Banker mehr sein

Aditya Puri, laut "Economist" womöglich der beste Banker der Welt, hat nach seinem Abgang von der Spitze der indischen HDFC Bank einen neuen Job - in einem etwas anderen Gewerbe.
Mittagspause am liebsten daheim bei der Gattin: Starbanker Aditya Puri geht zur Carlyle Group

Mittagspause am liebsten daheim bei der Gattin: Starbanker Aditya Puri geht zur Carlyle Group

Foto: Shailesh Andrade / REUTERS

Der britische "Economist " stellt in diesen Tagen die Frage, ob Aditya Puri (70) wohl der beste Banker der Welt sei - und liefert gleich mehrere Argumente, die für den Inder sprechen: Puri hat an der Spitze der indischen Bank HDFC, die er seit ihrer Gründung 1994 leitete, mehr Rendite für die Anteilseigner erwirtschaftet, als soweit ersichtlich jeder andere namhafte Banker der Welt. Und das ist keineswegs nur seiner langen Dienstzeit geschuldet: Auch bei der Berechnung der durchschnittlichen Rendite pro Jahr rangiert der Inder auf der "Weltrangliste" der Bankchefs unter den Besten.

Gut möglich also, dass Puri tatsächlich der "beste Banker der Welt" ist - doch in Zukunft will er in diesem Gewerbe offenbar nicht mehr tätig sein. Ende Oktober musste er den Chefsessel von HDFC räumen, weil er das in Indien erlaubte Höchstalter für Bankchefs erreicht hatte. Und schon seit Monaten wird auf dem Subkontinent und darüber hinaus spekuliert, wohin es den früheren Citigroup-Mann wohl ziehen werde.

Jetzt ist klar: Puri wird Berater bei der Carlyle Group. Wie die "Financial Times " berichtet, soll er für die Private-Equity-Firma deren asiatischen Unternehmen zur Seite stehen, inklusive des Themas Digitalisierung. Die Personalie werde noch am Montag offiziell, so die "FT".

Die Carlyle Group ist mit eigenen Angaben zufolge 230 Milliarden Dollar an verwaltetem Vermögen einer der größten Private-Equity-Investoren der Welt. Das Unternehmen, das 1987 in den USA gegründet wurde, beschäftigt heute mehr als 1800 Mitarbeiter in 30 Niederlassungen weltweit. Die Investments der Carlyle Group erfolgen derzeit über rund 400 verschiedene Anlagevehikel, so das Unternehmen.

Puri machte bei HDFC stets pünktlich Feierabend

Wie alle Private-Equity-Firmen steht gegenwärtig allerdings auch Carlyle unter dem Druck, trotz weltweiter Corona-Krise die Renditeerwartungen der Investoren erfüllen zu müssen. Dabei belastet die Krise die Geschäfte der Unternehmen im Portfolio zum Teil erheblich. In Asien zählen zu den Beteiligungen von Carlyle beispielsweise McDonald's Asia, ein Investment in die Kreditkartenabteilung der größten Bank Indiens (State Bank of India) sowie ein Anteil am Pharmakonzern Piramal Pharma.

Viel zu tun also für Aditya Puri. Bei HDFC pflegte der Starbanker nach Angaben des "Economist" die branchenuntypische Gewohnheit, regelmäßig eine Mittagspause einzulegen, die er oft sogar daheim mit seiner Gattin verbrachte. Zudem habe sich Puri stets pünktlich um 17.30 Uhr in den Feierabend verabschiedet, was sogar das Geheimnis seines Erfolges gewesen sein könnte, so das Wirtschaftsblatt mit einem nicht zu übersehenden Augenzwinkern. Ob sich Puri diese Routine bei seinem neuen Arbeitgeber wird erhalten können, erscheint jedenfalls fraglich.

cr
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