Rücktritt vom Aufsichtsratsvorsitz Marija Korsch gibt Aareal-Führung auf

Nur wenige Stunden nach einem Übernahmeangebot von Finanzinvestoren hat die Aufsichtsratsvorsitzende der Aareal Bank, Marija Korsch, ihr Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Ihr Nachfolger leitete bislang den Prüfungsausschuss.
Rücktritt nach Übernahmeangebot: Die Kontrolleurin der Aareal Bank, Marija Korsch (73), hat zu spät auf ein Übernahmeangebot von Finanzinvestoren reagiert - und zieht nun die Konsequenzen

Rücktritt nach Übernahmeangebot: Die Kontrolleurin der Aareal Bank, Marija Korsch (73), hat zu spät auf ein Übernahmeangebot von Finanzinvestoren reagiert - und zieht nun die Konsequenzen

Foto: Pavel Becker / Aareal Bank

Aus dem Aufsichtsrat werde Marija Korsch (73) zudem mit Wirkung zum 31. März 2022 ausscheiden, teilte das Unternehmen am Dienstagabend in Wiesbaden mit. "Mit der erfolgreichen Neubesetzung des Vorstandsvorsitzes durch Jochen Klösges (57) und der heute erzielten Investorenvereinbarung mit einer Bietergesellschaft, die eine langfristige Strategie für die Aareal Bank verfolgt, sind die Weichen für die Zukunft gestellt" sagte die bisherige Aufsichtsratschefin laut Mitteilung.

Zum Nachfolger wählte das Gremium den Leiter des Prüfungsausschusses, Hermann Wagner. Er werde sich in den kommenden Monaten darauf konzentrieren, den mit der Ankündigung eines Übernahmeangebotes eingeleiteten Prozess zu begleiten, hieß es weiter.

Am Dienstagmorgen hatten Advent und Centerbridge ein Kaufgebot vorgelegt, welches die Bank mit mehr als 1,7 Milliarden Euro bewertet. Die Finanzinvestoren wollen für den Finanzierer gewerblicher Immobilien 29 Euro je Aktie in bar zahlen, wie aus Mitteilungen der Aareal Bank und der Finanzinvestoren am Dienstag hervorgeht.

Die Offerte enthält einen Aufschlag von rund 35 Prozent auf den Durchschnittskurs der Aareal-Aktie der vergangenen drei Monate vor Bekanntwerden der Übernahmegespräche. Voraussetzung für einen Erfolg ist das Erreichen einer Mindestannahmeschwelle von 70 Prozent. Am Montag hatten die Aktien  der Aareal Bank mit 28,10 Euro geschlossen, am Dienstag legten sie knapp 3 Prozent zu.

Das Aareal-Management unterstützt die Übernahme. "Das große Interesse von Advent und Centerbridge und das beabsichtigte Angebot der Bieterin sind ein klarer Beleg für die Attraktivität und Nachhaltigkeit unseres Geschäftsmodells", sagte Aareal-Bank-Chef Klösges zu dem Vorstoß. Das angekündigte Angebot sei im besten Interesse des Unternehmens. Auch der Aufsichtsrat unterstütze die Offerte.

Gewinnschub im dritten Quartal

Es bleibt ihnen wohl auch nichts anderes übrig. Schließlich ist der Wiesbadener Immobilienfinanzierer aufgrund des Zauderns von Aufsichtsratschefin Korsch und des zuletzt deutlich gesunkenen Aktienkurses zum Übernahmekandidaten geworden .

Hinzu kam, dass die Bank durch ihre Ausrichtung auf Kredite für Gewerbeimmobilien wie Einkaufszentren und Büros besonders von der Corona-Krise getroffen wurde. Zuletzt hatte das Institut aber einen Gewinnschub erzielt. Das Konzernbetriebsergebnis hat sich im dritten Quartal binnen Jahresfrist auf 50 (Vorjahr: elf) Millionen Euro fast verfünffacht. Die Prognose eines Konzernbetriebsergebnisses von 100 bis 175 Millionen Euro in diesem Jahr wurde bestätigt.

Die Investoren stünden hinter der Strategie der Aareal Bank und wollten das Wachstum der Gruppe beschleunigen, hieß es weiter. Die nötigen Investitionen sollen demnach auch durch Gewinne finanziert werden, weshalb der zweite Teil der Dividende für 2020 erst einmal nicht fließen soll.

mg/dpa-afx, Reuters
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