Advent und Centerbridge Finanzinvestoren scheitern mit Übernahme von Aareal Bank

Der Verkauf der Aareal Bank an zwei Beteiligungsfirmen ist geplatzt. Die aktivistischen Investoren Petrus Advisers und Teleios feiern dies als Erfolg ihrer Gegenwehr und fordern deutliche Konsequenzen im Vorstand.
Gescheitert an der Mindestannahmeschwelle: Die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge ziehen ihr 1,86 Milliarden Euro schweres Angebot zurück

Gescheitert an der Mindestannahmeschwelle: Die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge ziehen ihr 1,86 Milliarden Euro schweres Angebot zurück

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Die Übernahme der Wiesbadener Aareal Bank durch die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge ist vom Tisch. Die Mindestannahmeschwelle von 60 Prozent sei nicht erreicht worden, teilte ihre Zweckgesellschaft Atlantic BidCo am Freitagabend nach Börsenschluss in Frankfurt am Main mit. Daher sei das Angebot in Höhe von 1,86 Milliarden Euro erloschen und werde rückabgewickelt. Auf der Handelsplattform Tradegate fiel die Aktie  der Aareal Bank zuletzt im Vergleich zum Xetra-Schluss um 9,7 Prozent.

Advent und Centerbridge hatten auf Druck von Investoren ihr Angebot für die Aareal Bank bereits von 29 auf 31 Euro je Aktie erhöht. Zudem hatten sie Mitte Januar die Mindestannahmeschwelle ihrer Offerte von 70 auf 60 Prozent der Aktien gesenkt. Bis 19. Januar waren ihnen lediglich gut 19 Prozent der Aareal-Anteile zum Stückpreis von 29 Euro angedient worden.

Advent und Centerbridge wollten im Fall einer erfolgreichen Übernahme in die Aareal Bank und deren IT-Tochter Aareon kräftig investieren und auch das Kreditgeschäft ausbauen. Zudem sollten alle Gewinne in dem Konzern bleiben und nicht mehr an die Aktionäre ausgeschüttet werden.

Aktivistische Investoren fordern Austausch von Aufsichtsräten

Gegenwind bekamen sie vor allem von den aktivistischen Investoren Petrus Advisers und Teleios, die zusammen mehr als 20 Prozent an der Wiesbadener Bank halten. So feierten die beiden Anteilseigner das Scheitern der Übernahme auch als Erfolg ihrer Gegenwehr gegen die Offerte, mit der die Aareal Bank ihrer Ansicht nach unterbewertet wurde. Sie kritisierten den Vorstand um Jochen Klösges scharf und forderten den Austausch von Aufsichtsräten: "Wenn Jochen Klösges und Finanzvorstand Marc Heß nicht in der Lage oder willens sind, die jetzt notwendige harte Arbeit zu leisten, ist dies ihre letzte Chance, zurückzutreten und die Bank in die Hände anderer Manager zu übergeben."

Petrus Advisers forderte zudem den Rücktritt von Aufsichtsratschef Hermann Wagner und von Richard Peters, dem Vertreter der Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL), die die Übernahme unterstützt hatte. Petrus Advisers hatte bereits auf der Hauptversammlung im Dezember drei Aufsichtsräte abwählen lassen, war mit den eigenen Kandidaten aber knapp gescheitert.

Petrus Advisors will Tafelsilber verkaufen

Vorstandschef Klösges, der im Juni 2021 zur Aareal Bank wechselte, bedauerte den geplatzten Deal. "Wir haben das Angebot unterstützt, weil es aus strategischer Sicht im besten Interesse des Unternehmens und seiner Stakeholder war", sagte er laut Mitteilung. Nun aber wolle die Bank ihr Wachstum aus eigener Kraft vorantreiben.

Das im Nebenwerteindex SDax notierte Unternehmen will sich wieder auf seine Mittelfriststrategie konzentrieren. Diese sieht vor, dass das Portfoliovolumen in den kommenden drei Jahren um eine Milliarde Euro jährlich gesteigert werden soll. Bis 2024 sollen so 33 Milliarden Euro zusammenkommen. "Wir haben im aktuellen Umfeld gute Chancen, sehr profitables Neugeschäft in die Bücher zu nehmen", sagte Finanzchef Heß laut Mitteilung. Im abgeschlossenen Geschäftsjahr hatte das Management bereits ein Jahr früher als gedacht sein Ziel eines 30 Milliarden Euro schweren Portfoliovolumens erreicht.

Für die IT-Tochter Aareon, die als wertvollster Teil der Bank gilt und an der Advent bereits seit 2020 mit 30 Prozent beteiligt ist, sind derweil andere Pläne vorgesehen. Der Vorstand wolle künftig mehr Geld für Übernahmen und Beteiligungen in die Hand nehmen, um die bisherigen erfolgreichen Aktivitäten in dem Bereich zu forcieren, hieß es.

Petrus Advisers forderte erneut, Aareon zugunsten der Aktionäre abzuspalten. Der Vorstand hält das nicht für machbar. Mit der Software von Aareon können Wohnungseigentümer etwa die Mieten verwalten. Viele von ihnen deponieren Mieten und Kautionen in Milliardenhöhe bei der Bank, was ihr eine günstige Refinanzierung bietet. Ohne Aareon fiele diese weg.

Aktionäre sollen Dividende erhalten

Im kommenden Jahr will die Aareal Bank damit auf ein Konzernbetriebsergebnis von rund 300 Millionen Euro kommen. Bereits im laufenden Geschäftsjahr solle der Wert auf das Vorkrisenniveau wachsen: 2019 summierte sich das operative Ergebnis auf 248 Millionen Euro. Im Jahr 2020 hatte die stark in Branchen wie Hotels und Einkaufszentren engagierte Aareal Bank operativ 75 Millionen Euro Verlust geschrieben. Für 2021 hat sie 100 bis 175 Millionen Euro Gewinn in Aussicht gestellt.

Die Aktionäre sollen nach dem geplatzten Deal nun auch wieder eine Dividende erhalten. Auf der kommenden Hauptversammlung solle eine zweite Ausschüttungstranche in Höhe von 1,10 Euro je Aktie vorgeschlagen werden. Weitere Details zu den Wachstumsplänen will die Aareal Bank am 24. Februar bei Vorlage der Geschäftszahlen für das Jahr 2021 vorstellen.

mg/dpa-afx, Reuters