Monte dei Paschi Älteste Bank der Welt kämpft weiter ums Überleben

Die Rettung für die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena war nah. Doch eine Revolte der Anteilseigner ließ die geplante Kapitalerhöhung platzen. Auch die Zukunft von Verwaltungsratschef Alessandro Profumo ist offen.
Bankhaus Monte Dei Paschi in Siena: Die 1472 gegründete MPS gilt als älteste noch operierende Bank der Welt

Bankhaus Monte Dei Paschi in Siena: Die 1472 gegründete MPS gilt als älteste noch operierende Bank der Welt

Foto: STEFANO RELLANDINI/ REUTERS

Rom - Kommt die dringend benötigte Finanzspritze in Höhe von mindestens drei Milliarden Euro nicht, droht dem ältesten Geldhaus der Welt auf Druck der EU-Kommission die Verstaatlichung. Dies lehnt die italienische Regierung jedoch ab - sie will, dass die Monte dei Paschi di Siena (MPS) die Kapitalerhöhung durchboxt und die bereits gewährten Staatshilfen zurückzahlt. Damit steht das Institut weiter am Abgrund.

Mit dem frischen Geld in Höhe sollte die krisengeplagte Bank auf Kurs gebracht werden und ihre Eigenständigkeit bewahren. Ende Dezember sollten die Aktionäre dem Milliarden-Vorhaben für das erste Quartal 2014 zustimmen - doch der Plan scheiterte. Ausgerechnet die eigene Stiftung der toskanischen Bank - mit 33,5 Prozent größter Anteilseigner - ließ den Rettungsplan platzen.

In einer beispiellosen Revolte lehnten die Anteilseigner auf Antrag der Stiftung ab, dass die Kapitalerhöhung bereits im Januar kommt. Die Stiftung hat selbst finanzielle Probleme und will sich zunächst von Beteiligungen trennen, um die Kapitalspritze stemmen zu können. "Sicher ist, dass ich eine große Verantwortung spüre und mit mir die gesamte Stiftung", sagte Chefin Antonella Mansi. Die Kapitalerhöhung liegt nun bis mindestens Ende Mai auf Eis.

Auch die Zukunft von Verwaltungsratschef Alessandro Profumo ist nach der vorerst gescheiterten Rettung unklar. Der Manager ließ zunächst offen, ob er von seinem Posten zurücktritt. Er kündigte an, die Situation bei einer Verwaltungsratssitzung im Januar bewerten zu wollen.

Drittgrößte Bank Italiens

Die 1472 gegründete MPS gilt als älteste noch operierende Bank der Welt. Doch noch nie stand sie in ihrer mehr als 500 Jahre langen Geschichte so nahe am Abgrund wie jetzt. Durch Derivatengeschäfte und die Schuldenkrise in Europa ist das Geldhaus in Schieflage geraten. Das frühere Management muss sich wegen der dubiosen Geschäfte vor Gericht verantworten. Die riskanten Deals hatten der Bank mehr als 700 Millionen Euro Verluste eingebracht.

Die drittgrößte italienische Bank steckt tief in den roten Zahlen. Mit einer Kapitalspritze von 4,1 Milliarden Euro und Garantien über 13 Milliarden Euro stützte der italienische Staat im vergangenen Jahr die MPS. Die EU-Kommission verlangte für die Genehmigung der Hilfen eine Kapitalerhöhung in Milliardenhöhe - andernfalls droht der Bank eine Verstaatlichung.

Die Kapitalerhöhung und damit auch die Rückzahlung der Staatshilfe ist nun jedoch vorerst geplatzt. Auch Gewerkschaften und Medien in Italien diskutieren daher eine mögliche Verstaatlichung als letzten Ausweg. "Die Regierung kann nicht länger passiver Zuschauer eines solchen Untergangs sein", sagte Guilio Romani, Chef der Gewerkschaft Fiba-Cisl. Ein Sprecher des Finanzministeriums betonte jedoch, Ziel der Regierung sei es, die Bank nicht zu verstaatlichen und die Kapitalerhöhung sobald wie möglich abzuschließen.

Von Miriam Schmidt, dpa
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