Dienstag, 10. Dezember 2019

Paul Achleitner Chefaufseher verteidigt Deutsche-Bank-Chef Jain

Anshu Jain, Mitglied der Doppelspitze der Deutschen Bank: Libor-Skandal lastet auf Deutschlands bedeutendstem Geldhaus

Die Manipulation des Zinses Libor war ein Skandal in der Finanzwelt. Auch Investmentbanker der Deutschen Bank waren darin verstrickt, und damit Angestellte aus der Abteilung des jetzigen Deutsche-Bank-Co-Chefs Anshu Jain. Jetzt stellt sich Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Achleitner schützend vor Jain.

Frankfurt am Main - Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat Co-Vorstandschef Anshu Jain in der Affäre um die Manipulation des Zinssatzes Libor erneut in Schutz genommen. "Herrn Jain ist persönlich nichts vorzuwerfen", sagte Achleitner der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Vor der Hauptversammlung der Deutschen Bank Börsen-Chart zeigen am Donnerstag pochte Achleitner auf eine genaue Aufarbeitung des Falls. "Das muss mit aller Härte untersucht und gegebenenfalls bestraft werden."

Es werde aber Jahre dauern, bis die Bank alle Altlasten aus den Zeiten vor der Finanzkrise bereinigt habe. "Das Problem reicht ja über das rein Juristische hinaus: Es wird geraume Zeit dauern, bis die Bankindustrie wieder das Standing und das Vertrauen aufgebaut hat, das sie vorher hatte." Die Bank verzichte mittlerweile lieber auf ein Geschäft, falls dafür im Nachhinein Ärger drohe.

Neben dem Skandal um Zinsmanipulationen lasten auch Dutzende Hypothekenklagen in den USA, der Streit um die Pleite des Medienimperiums von Leo Kirch und Vorwürfe von Bilanztricksereien auf der Bank. Finanzkreise gehen davon aus, dass es noch mindestens bis 2015 dauert, bis die meisten Streitigkeiten beendet seien.

Die Finanzaufsicht Bafin hatte wegen der Manipulation von Referenzzinsen wie dem Libor vor einem Jahr eine Sonderprüfung bei Deutschlands größtem Geldhaus eingeleitet. Sie untersucht, wer wann und wie viel von Unregelmäßigkeiten wusste und ob es organisatorische Mängel gab. Aus Finanzkreisen hieß es bereits Ende März, dass die Aufsicht auf Fehlverhalten einzelner Händler und Kontrolldefizite hinweisen werde. Die rote Karte müsse das Topmanagement dagegen nicht fürchten. "Wir haben bisher keine Hinweise auf eine Art systematische Kriminalität, in die Vorstände eingebunden waren", hatte der für die Bankenaufsicht zuständige Bafin-Exekutivdirektor Raimund Röseler gesagt.

Weltweit wird in dem Manipulationsskandal gegen mehr als ein Dutzend Banken ermittelt. Die Schweizer UBS Börsen-Chart zeigen, Barclays Börsen-Chart zeigen und die Royal Bank of Scotland Börsen-Chart zeigen mussten bereits Strafen von zusammen mehr als 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Händler der Institute sollen über Jahre hinweg Referenzzinssätze wie den Libor oder den Euribor manipuliert haben, um Handelsgewinne einzustreichen.

kst/dpa-afx

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