Montag, 23. September 2019

Neuer Rettungsplan Zyperns Staatspleite ist abgewendet

Bundesfinanzminister Schäuble: "Ich bin froh, dass wir jetzt das erreicht haben, was immer unsere Position war"

Rettung in letzter Minute: Die Euro-Finanzminister haben sich mit Zypern auf ein neues Hilfspaket geeinigt. Kleinsparer bleiben jetzt doch verschont, vermögende Bankkunden werden dagegen Geld verlieren. Die Zustimmung des Parlaments in Nikosia ist diesmal nicht erforderlich.

Nikosia - Die Staatspleite Zyperns ist abgewendet worden. Die Regierung des überschuldeten Euro-Landes einigte sich nach einer teilweise dramatischen Nachtsitzung mit ihren Geldgebern auf einen neuen Rettungsplan. Börsianer reagieren erleichtert, der Dax legte am Morgen deutlich zu. Auch in Asien war die Freude groß, der Nikkei legte 1,69 Prozent zu.

Gläubiger und Kunden der beiden größten Banken des Landes, der Bank of Cyprus und der Laiki Bank, werden dabei Geld verlieren - wie viel genau, steht noch nicht fest. "Diese Lösung ist besser als die von vergangener Woche, weil wir uns jetzt auf die beiden Problembanken konzentrieren", sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am frühen Montagmorgen in Brüssel.

Im ersten Anlauf war eine generelle Abgabe auf Bankeinlagen geplant, was in Zypern wie im Rest der Euro-Zone auf großen Protest gestoßen war. Nach EU-Recht sind Konten von bis zu 100.000 Euro bei Bankpleiten geschützt.

Laiki Bank wird zerschlagen und geschlossen

Der neue Plan sieht vor, dass die Laiki Bank - die zweitgrößte des Landes - geschlossen wird und damit Tausende Jobs wegfallen. Die Konten mit Beträgen bis zu 100.000 Euro, die gesetzlich von der Einlagensicherung geschützt sind, werden auf die größte Bank, die Bank of Cyprus, übergehen. Einlagen der Laiki Bank oberhalb dieser Summe werden eingefroren und in eine Bad Bank übertragen.

Insgesamt handelt es sich nach Dijsselbloems Angaben um 4,2 Milliarden Euro. Ob diese vollständig verloren sein werden, sei noch nicht absehbar, da bei der Abwicklung der Bad Bank noch Erträge anfallen könnten. "Es wäre unrealistisch zu sagen, dass wir keine bedeutenden Verluste erleiden", sagte der zyprische Ressortchef Michalis Sarris.

Auch die Bank of Cyprus muss drastisch verkleinert werden. Aktionäre, Anleihegläubiger und als letztes Kontoinhaber müssen mit Abschreibungen rechnen, bis die Bank eine gesunde Größe und eine Eigenkapitalquote von 9 Prozent erreicht hat.

Zypern wird mit zehn Milliarden Euro gestützt

Wie hoch die Eigenbeteiligung Zyperns letztlich sein wird, ist wegen der noch offenen Einschnitte bei den Großbanken noch nicht sicher. Bisher war von rund sieben Milliarden Euro die Rede gewesen, wobei allein 5,8 Milliarden Euro auf die nun gestrichene Zwangsabgabe entfielen.

Die internationalen Geldgeber hatten die Einsparungen als Voraussetzung dafür gefordert, die Mittelmeerinsel mit Milliarden zu unterstützen. Nun ist der Weg frei für die zehn Milliarden Euro Kredit aus dem Euro-Rettungsmechanismus ESM und vom Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Höhe des IWF-Anteils ist noch offen. Nach früheren Angaben ist rund eine Milliarde Euro im Gespräch. Das erste Geld soll im Mai fließen. Als Gegenleistung dafür sind auch harte Einsparungen bei den öffentlichen Ausgaben fällig.

Die Gespräche fanden unter großem Zeitdruck statt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte angekündigt, den zyprischen Banken am Dienstag den Geldhahn abzudrehen, wenn es keine Einigung auf ein Sanierungskonzept geben sollte. Damit hätte der Kollaps des gesamten Finanzsektors gedroht, der acht Mal so groß ist wie die Wirtschaftsleistung des Landes und damit als überdimensioniert gilt. Er soll bis 2018 halbiert werden und so EU-Durchschnitt erreichen.

Letzten Endes stand bei der schweren Krise der Verbleib Zyperns in der Euro-Zone auf dem Spiel. "Wir haben die Unsicherheit für Zypern und die Euro-Zone beendet", sagte Dijsselbloem.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung