Gehaltsdebatte EU will Banker-Gehälter weiter eindämmen

Von wegen Krise: Großbanken haben im vergangenen Jahr ihren Mitarbeitern deutlich mehr Gehalt bezahlt - trotz Massenentlassungen. Die EU will Aktionäre deshalb bei Vorstandsbezügen künftig stärker mitbestimmen lassen. Banker kritisieren irreführende Zahlen.
Frankfurter Skyline: Im Schnitt verdiente jeder Mitarbeiter einer Großbank 2012 rund 87.400 Euro

Frankfurter Skyline: Im Schnitt verdiente jeder Mitarbeiter einer Großbank 2012 rund 87.400 Euro

Foto: Frank Rumpenhorst/ dpa

Frankfurt - Krise? Welche Krise? 35 der größten Banken der Welt haben im vergangenen Jahr trotz Massenentlassungen und öffentlicher Bescheidenheits-Bekundungen deutlich mehr Geld an ihre Mitarbeiter ausgeschüttet als 2011. Die Ausgaben stiegen um zehn Milliarden auf 275 Milliarden Euro, wie eine Erhebung der Nachrichtenagentur Reuters ergab. Im Schnitt verdiente jeder der 3,25 Millionen Banker im vergangenen Jahr 87.400 Euro.

"Mich bestätigt das in der Auffassung, dass wir an der Vergütungs-Front etwas tun müssen", sagt Philippe Lamberts, Mitglied des europäischen Parlaments aus Belgien. Das Europa-Parlament und die EU-Ratspräsidentschaft haben Ende Februar entschieden, dass Bonus-Zahlungen für Bank-Manager nur noch so hoch sein dürfen wie ihr Grundgehalt. Lediglich bei Zustimmung der Aktionäre ist eine Vergütung in doppelter Höhe möglich.

Zudem will die EU-Kommission eine Gesetzesinitiative auf den Weg bringen, die Aktionären eine stärkere Mitsprache über Vorstandsbezüge einräumt - ähnlich wie in der Schweiz. Dort sollen Aktionäre börsennotierter Firmen auf der Hauptversammlung jedes Jahr neu über die Höhe der Managergehälter entscheiden. Antritts- und Abgangszahlungen werden verboten. Bei zwei Dritteln der 35 untersuchten Großbanken legte die Bezahlung pro Mitarbeiter im vergangenen Jahr zu, wie die Reuters-Daten zeigen.

Bei vielen Instituten stieg die Vergütung stärker als der Gewinn. Einige Häuser schütten sogar mehr Geld an ihre Mitarbeiter aus, obwohl der Gewinn zurückging oder die Bank rote Zahlen schrieb. Die Institute führen dies unter anderem auf teure Abfindungszahlungen zurück - insgesamt strichen die Geldhäuser im vergangenen Jahr 93.000 Stellen.

"Die Menschen sind sehr verärgert"

Die Deutsche Bank, bei der die Pro-Kopf-Bezahlung im vergangenen Jahr trotz eines Gewinn-Einbruchs um sechs Prozent zulegte, verweist zudem darauf, dass in den Zahlen auch Boni enthalten seien, die das Institut bereits 2009 zugesagt habe. Bei der Investmentbank Goldman Sachs, die im vergangenen Jahr einen Gewinnsprung hinlegte, stieg die Pro-Kopf-Bezahlung um neun Prozent.

Das größte Plus gab es mit elf Prozent bei der dänischen Danske Bank. Auch bei der teilverstaatlichten Bank of Ireland, die 2012 einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro erlitt, stieg die Pro-Kopf-Vergütung um rund vier Prozent. Solche Zahlen würden viele Bürger auf die Palme bringen, erzählt die britische Europa-Abgeordnete Sharon Bowles. "Die Menschen sind sehr verärgert, wenn so etwas in Banken passiert, die vom Staat gestützt werden. Sie denken: 'Hier geht es um unser Geld. Warum bekommen die immer noch so viel bezahlt?'"

Viele der befragten Banker argumentieren, die von Reuters erhobenen Zahlen seien irreführend. Sie würden einen falschen Eindruck vermitteln, zumal der Anstieg der Pro-Kopf-Bezahlung vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen sei. Eine Studie der Personalberatung Morgan McKinley legt jedoch nahe, dass es auch andere Gründe für den Anstieg gibt. Banker, die in London im Januar von einem Institut zum anderen wechselten, strichen demnach im Schnitt eine Gehaltserhöhung von 23 Prozent ein.

wed/rtr
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