Sonntag, 8. Dezember 2019

EZB-Ratssitzung Draghis größte Baustellen

EZB-Präsident Draghi: Der Zins bleibt auf Rekordtief - doch wie geht es mit Italien und möglichen Anleihekäufen weiter?

4. Teil: Muss Draghi die Bazooka auspacken?

Nein, nicht in der aktuellen Lage. Gänzlich ausgeschlossen ist es aber nicht. Das Euro-Schwergewicht Italien könnte die Notenbank in die Klemme bringen. Nachdem die jüngsten Parlamentswahlen keine klaren Mehrheiten ergeben und damit politischen Stillstand verursacht haben, droht die drittgrößte Wirtschaftsmacht im Euroraum wieder ins Visier der Investoren zu geraten. Würde die EZB zum Kriseneinsatz am Anleihemarkt ausrücken? Stützungskäufe, um die Zinsen zu drücken, setzen grundsätzlich voraus, dass eine Regierung einen Hilfsantrag stellt und Reformauflagen akzeptiert.

Marchel Alexandrovich, Experte der Investmentbank Jefferies, sieht die Notenbank im Dilemma: "Sie könnte einem Zusammenbruch des italienischen Anleihemarkts natürlich nicht tatenlos zuschauen." Aber genauso wenig könne die EZB eine wacklige und unzuverlässige italienische Regierung offen bei der Finanzierung unterstützen. Jürgen Michels, Europa-Chefvolkswirt der Citigroup, geht davon aus, dass die Notenbank bekräftigt, dass das Anleihekaufprogramm nur für solche Länder bereit steht, die sich unter den Rettungsschirm ESM stellen.

Die Ratingagentur Standard & Poor's warnt vor dem Einsatz der Anleihekäufe. Sollte das Programm freigeschaltet werden, die profitierenden Staaten aber von Reform- und Sparvorgaben abweichen, könnte sich das OMT (Outright Monetary Transactions) als "Büchse der Pandora" erweisen. "Ich glaube, der Moment der Wahrheit wird sein, wenn das OMT tatsächlich aktiviert wird", sagt Moritz Kraemer, S&P-Chefanalyst für die Länderbewertung in Europa. Ob es weiter ausreiche, dass die EZB ihre Interventionsbereitschaft signalisiere, ohne überhaupt Anleihekäufe vornehmen zu müssen, bleibe abzuwarten.

Zuletzt waren zwar die Risikoaufschläge von italienischen Staatsanleihen gestiegen. Der Aufschlag war verglichen mit früheren Höchstständen allerdings moderat.

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