Trennbanken "Investmentbanking wird unattraktiv"

Deutschlands Banken fürchten die Aufspaltung ihres Geschäfts. Jan Pieter Krahnen, Mitglied der EU-Expertengruppe um den finnischen Notenbankpräsidenten Erkki Liikanen, erklärt, was auf die Geldhäuser zukommt.
Von Martin Hintze
Bankentürme in Frankfurt am Main: "Too big to fail" soll der Vergangenheit angehören

Bankentürme in Frankfurt am Main: "Too big to fail" soll der Vergangenheit angehören

Foto: Boris Roessler/ dpa

mm: Herr Krahnen, Sie haben an den Vorschlägen der Liikanen-Gruppe zur Aufspaltung von Universalbanken mitgearbeitet. Die deutschen Banken laufen dagegen Sturm. Was ist dran an den Befürchtungen?

Krahnen: Die Befürchtungen, die man insbesondere von Seiten der Verbände hört, sind nach meiner Ansicht überzogen. Zum einen erscheint es zunehmend zweifelhaft, dass die ursprünglichen Vorschläge überhaupt übernommen werden. Zum anderen wird oft übersehen, dass es gar nicht um die Abspaltung des gesamten Investmentbankings geht. Da gibt es ein breites Spektrum an Ideen.

mm: Mit welchen Mitteln will die Liikanen-Gruppe die Finanzbranche zähmen?

Krahnen: Unser Vorschlag zu diesem Thema sieht vor, die Handelsaktivitäten einer Bank - und nur diese - unter dem Dach einer Holding von der Universalbank zu trennen. Abgetrennt in einer eigenen Sparte können diese naturgemäß riskanten Geschäfte besser beaufsichtigt und korrekter bepreist werden.

mm: Das klingt nicht nach einer echten Zerschlagung.

Krahnen: Nein, das ist auch nicht das Ziel. Eine Abtrennung der Handelsgeschäfte verbessert die Chance, dass der Bankenmarkt in Europa zu marktwirtschaftlichen Prinzipien zurückkehrt und bei einer Schieflage nicht mehr vom Steuerzahler aufgefangen werden muss.

mm: "Too big to fail" soll also der Vergangenheit angehören?

Krahnen: Ja. Diese abgeschwächte Form eines Trennbankenmodells ist ein Weg, die Restrukturierung von Problembanken zu erleichtern und dabei wieder private Gläubiger in die Haftung zu nehmen. Die Trennung bewirkt zudem, dass die Refinanzierung der Handelsgeschäfte zu risikoadäquaten Margen - sprich tatsächlichen Kosten - erfolgt.

mm: Mit anderen Worten: Das Investmentbanking, mit dem besonders die Deutsche Bank ihre Gewinne in den letzten Jahren gepusht hat, wird teuerer?

Krahnen: Bislang profitieren die Geldhäuser davon, dass sie die Vorteile der Staatsgarantie für das Privatkundengeschäft auch in den Handelsbereich durchreichen können. Diese Mischfinanzierung sollte zugunsten einer risikoadäquaten Finanzierung beseitigt werden. Bei einer echten Kostenzurechnung wird das Handelsbuch vermutlich teurer, die entsprechenden Produktpreise könnten steigen und damit auch insgesamt unattraktiver werden.

"Volcker-Rule in Europa wäre nutzlos"

mm: Also sind die Existenzängste der Banken doch berechtigt?

Krahnen: Nein. Zwar wäre für das Handelsgeschäft Fremdkapital nötig, das die Institute sich über Anleihen am Markt zu vermutlich höheren Zinsen beschaffen müssten. Im Gegenzug könnte sich das restliche Universalbankengeschäft aber günstiger refinanzieren. Im Saldo dürften die Finanzierungskosten nicht wesentlich auseinandergehen.

mm: Welche Banken würde es in Deutschland treffen?

Krahnen: Allenfalls eine Handvoll Großbanken. In Europa wären zwischen 20 und 40 Instituten betroffen. Ab welcher Größe eine Bank aufgeteilt werden soll, haben wir nicht festgelegt - dies müsste noch geschehen.

mm: Eine in Frankreich diskutierte Variante der Liikanen-Vorschläge - das sogenannte Liikanen-Light - sieht lediglich eine Abtrennung des Eigenhandels vor. Halten Sie das für einen praktikablen Kompromiss?

Krahnen: Das würde der in den USA angewandten Volcker-Rule sehr nahe kommen, die aber allgemein als wirkungslos eingeschätzt wird. Grund dafür ist, dass sich Eigenhandel und Fremdhandel im Alltag nur in seltenen Fällen streng trennen lassen. Technisch gesprochen besteht der Fremdhandel, das sogenannte market making, auf wenig liquiden Märkten aus einer Abfolge von Eigenhandelstransaktionen. Es ist deshalb kaum möglich, eine scharfe regulatorische Grenze zu ziehen. Außerdem ergeben sich Möglichkeiten, einzelne Geschäfte umzudeklarieren. Ich kann daher nur hoffen, dass der ursprüngliche Vorschlag weiter verfolgt wird.

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