Freitag, 23. August 2019

Geldhäuser Deutschlands größte Bankenkrisen

7. Teil: 2008: Hypo Real Estate - Funkes Sünden kosten Milliarden Euro Steuergeld

Hypo Real Estate: Georg Funke finanzierte langfristige Geschäfte mit kurzfristigen Krediten. Als dieses System zusammenbrach, musste der Rettungsfonds Soffin ran - und der Steuerzahler mit Milliarden einspringen

2008: Hypo Real Estate

Die für den Steuerzahler wohl teuerste Bankenpleite der deutschen Geschichte legte 2008 die Hypo Real Estate (HRE) unter ihrem Boss Georg Funke hin. Das Spezialinstitut für Immobilienfinanzierungen und Pfandbriefe hatte sich seit 1999 in wenigen Jahren durch eine Dreier-Fusion und eine große Übernahme in den Dax katapultiert. In großem Stil hatte Funke über die zugekaufte HRE-Tochter Depfa langfristige Geschäfte mit kurzfristigen Krediten finanziert. Das gilt unter Bankiers eigentlich als Todsünde, brachte der Münchner Bank jedoch für eine Weile lang stolze Gewinne ein.

Als jedoch nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Anfang September 2008 der Interbankenmarkt für kurzfristige Kredite zusammenbrach, stand die HRE innerhalb weniger Wochen vor dem Aus. Ende September 2008 vereinbarten Bundesregierung und Finanzwirtschaft ein milliardenschweres Hilfspaket. Das aber reichte schon wenige Tage später nicht mehr aus, weil die HRE-Bilanz täglich neue Löcher aufwies. In aller Eile schuf der Bund den Bankenrettungsfonds Soffin. Bis ins Frühjahr 2009 hinein musste die öffentliche Hand immer neue Milliardensummen für Funkes Bank bereitstellen - bis heute an die 150 Milliarden Euro an Hilfen und Bürgschaften.

Anfang Oktober 2009 verstaatlichte der Bund schließlich die HRE. Es war die erste Verstaatlichung einer Bank in Deutschland seit 1949. Die giftigsten Papiere stecken heute in einer "Bad Bank", die allein 2011 knapp zehn Milliarden Euro Verlust schrieb. Ex-Banker Funke kann bis heute bei sich keine Mitschuld an der größten Bankenpleite der deutschen Geschichte erkennen: Mitte 2012 erklärte er die Schieflage der HRE mit einer "Rufschädigung auf Basis falscher Anschuldigungen".

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung