Dienstag, 21. Mai 2019

Geldhäuser Deutschlands größte Bankenkrisen

6. Teil: 2007: IKB - wie Stefan Ortseifen die Mittelstandsbank zur Zockerbude machte

Eingang der IKB in Düsseldorf: Finanzakrobaten der Wall Street verkauften ihre gewagtesten Immobilienpapiere an "dämliche Deutsche in Düsseldorf"
2007: IKB

Nur zehn Tage benötigte Stefan Ortseifen, um die IKB in der Öffentlichkeit von einer altehrwürdigen, grundsoliden Mittelstandsbank zu einer Zockerbude zu machen. Am 20. Juli 2007 ließ der Bankchef wissen, die US-Hypothekenkrise bedeute im zweiten Quartal nur ein einstelliges Millionenrisiko für sein Institut. Am Montag, den 30. Juli, gab Ortseifen per Ad-hoc-Mitteilung plötzlich zu, dass die IKB kurz vor dem Abgrund stand. Um die mauen Renditen im Geschäft mit Mittelstandskrediten aufzupeppen, hatten die IKB-Banker massiv - und teilweise außerhalb der offiziellen Bilanz - in verbriefte Papiere investiert, in denen vielfach US-Immobilienkredite steckten.

Die in Düsseldorf ansässige IKB gehörte zu den besten Kunden der großen Investmentbanken, die diese Vehikel vertrieben. Als der Buchautor Michael Lewis ("Boomerang") einen Wall-Street-Banker fragte, an wen er denn seine gewagtesten Finanzprodukte verhökert habe, antwortete der: "An dämliche Deutsche in Düsseldorf." Als in den USA die Finanzkrise um sich griff, verloren die Papiere in den IKB-Büchern rapide an Wert.

Gleich mehrfach mussten Branche und öffentliche Hand der IKB 2007/2008 mit Milliardensummen beispringen. BaFin-Chef Jochen Sanio verglich die Lage des Finanzplatzes Deutschland sogar mit der Danat-Krise von 1931. Besonders gebeutelt wurde dabei die öffentliche Förderbank KfW: Ihr gehörten 40 Prozent der IKB. Im August 2008 übernahm der Finanzinvestor LoneStar die IKB - nachdem die toxischsten Wertpapiere ausgelagert worden waren. Für ihre Entsorgung steht der Steuerzahler gerade.

Ex-Bankchef Ortseifen wurde 2010 zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

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