Dienstag, 16. Juli 2019

Geldhäuser Deutschlands größte Bankenkrisen

5. Teil: 2002: Gontard & Metallbank - Marks Masche mit dem Neuen Markt

Gontard & Metallbank: Das Bankhaus schlachtete den kurzen Boom am Neuen Markt auf dreifache Weise aus - und ging unter, als die Blase platzte

2002: Gontard & Metallbank

Alles auf eine Karte: Das war die Strategie, die Bankier Lothar Mark einem der traditionsreichsten Geldhäuser der Republik verordnete, der Gontard & Metallbank. Die war aus einem Zusammenschluss der anno 1726 gegründeten Heinrich Gontard & Co. AG und der 1906 geborenen Metallbank entstanden. Mark verschrieb seine Bank dem Neuen Markt, jenem Börsensegment, dass während der verrückten Jahre der "New Economy" Unternehmer und Investoren über Nacht reich machte - aber viele von ihnen schon kurz darauf auch wieder arm.

Gleich dreifach schlachtete Banker Mark den Neuen Markt aus: Die Gontard & Metallbank begleitete dutzende Börsengänge gegen hübsche Provisionen, profitierte im Eigenhandel von deren Kurssprüngen und diente sich den Neureichen Unternehmern als Vermögensverwalter an. 1999 erzielte die Bank die traumhafte Eigenkapitalrendite von 30 Prozent - nach Steuern. Aber viele Geschäfte tätigten die Glücksritter auf Kredit, und Bankier Mark nahm vielfach Neue-Markt-Aktien als Sicherheiten an - auch für Firmenkredite. Ab Frühjahr 2001 sanken die Kurse am Neuen Markt immer weiter, Marks Sicherheiten verloren rapide an Wert.

Als Anfang 2002 auch noch zwei der größten Beteiligungen der Bank massiv unter Druck gerieten, war Marks Masche am Ende. Im Mai 2002 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet. Da hatte die Hälfte der Neuemissionen, die die Gontard & Metallbank begleitet hatte, an der Börse schon mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren.

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