Samstag, 20. Juli 2019

Geldhäuser Deutschlands größte Bankenkrisen

4. Teil: 1983: Schröder Münchmeyer Hengst - von Galens Parties mit Agnelli und Lady Di

Hauptverwaltung der Privatbank Schröder Münchmeyer Hengst & Co in Frankfurt: Die Beziehung zum Baumaschinenkonzern IBH führte in die Krise

1983: Schröder Münchmeyer Hengst

An einem Tag Ende 1983 sprach der Bankier Ferdinand Graf von Galen in Frankfurt nolens, volens bei der Deutschen Bank vor und teilte dem verdutzten Gegenüber verdrossen mit, sein Geldhaus habe leider gewisse Finanzierungsprobleme: Er brauche sofort 160 Millionen D-Mark. Die Bank, an der von Galens Familie damals 40 Prozent hielt, hieß Schröder Münchmeyer Hengst & Co. (SMH). Sie trug nicht nur beste deutsche Bankiers-DNA im Namen, sie gehört hinter Deutscher Bank und Dresdner zum edelsten, was der Finanzplatz am Main zu bieten hatte.

Graf Galen hatte einst die Bankierstochter Anita Hengst geehelicht und war so dem Finanzadel beigetreten. Zu von Galens Parties flogen einst sogar Fiat-Grande Giovanni Agnelli und Lady Diana ein. Nun war SMH am Ende. Zum Verhängnis wurde dem Grafen die allzu innige Geschäftsbeziehung zu dem Unternehmer Horst-Dieter Esch. Der hatte seinen Baumaschinenkonzern IBH in kaum zehn Jahren aus dem Nichts zu einem Jahresumsatz von 2,5 Milliarden D-Mark empor fusioniert - allerdings mit enormen Krediten vor allem von SMH.

Anfang November 1983 muss von Galen einräumen, dass die taumelnde IBH bei seinem Institut mit fast einer Milliarde D-Mark in der Kreide stand. Einen großen Teil davon hatte er Esch über eine Luxemburger Tochter zugeschoben, außer Sichtweite der deutschen Bankenaufsicht. In einer Nachtsitzung einigen sich 20 deutsche Banken, SMH mit Hunderten an frischen Millionen aufzufangen, damit den deutschen Finanzsektor kein Flächenbrand erfasste. Der größte Teil der ehemaligen SMH gehört heute zur UBS. Von Galen wurde der Prozess gemacht. Seine Geschäfte mit Esch arbeitet der Insolvenzverwalter von SMH heute noch ab.

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