Mittwoch, 22. Mai 2019

BayernLB Die Formel1-Anteile - verramscht? 

Bernhard Ecclestone: Die Clowns wollen Geld sehen

Plötzlich glaubt die BayernLB ihrem Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky aufs Wort. Eine Zeugenaussage des zu achteinhalb Jahren Haft verurteilten Managers reicht, um Formel1-Chef Bernhard Ecclestone mal sicherheitshalber eine Zahlungsaufforderung zu schicken.

München - An einem Tag im März dieses Jahres redeten sich die Richter am Landgericht München I buchstäblich den Mund fusslig. In der Gerichtsverhandlung gegen den Ex-Vorstand der Bayern LB, Gerhard Gribkowsky, trugen sie auf Antrag der Verteidigung fast ein Stunde lang neun Seiten mit Tabellen vor. Die hatte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG 2004 für die BayernLB angefertigt, um den damaligen Wert der Formel-1-Beteiligung der Bank zu ermitteln. Da wurde munter abdiskontiert aus Renditen und Zahlungsströmen bis zum Jahr 2014.

Ganz gleich in welchem Szenario: Der Buchwert der Anteile von damals rund 630 Millionen Dollar erschien den Prüfern immer noch zu hoch. Den Abschreibungsbedarf bezifferten sie auf 350 bis 500 Millionen Dollar. Eine praktisch wertlose Beteiligung aus der Konkursmasse des Medienunternehmers Kirch also, die Gribkowsky da im Auftrag seiner Bank versilbern sollte.

Heute sieht die BayernLB das offenbar ganz anders. Sie glaubt, dass der 2005 mit dem Finanzinvestor CVC vereinbarte Preis von 839 Millionen Dollar für die Formel1-Anteile der Bank um rund 350 Millionen Dollar zu niedrig war und dass der damalige Chef und vormalige Inhaber der Formel 1, Bernhard Ecclestone, dahinter steckt.

Die BayernLB bezieht sich dabei aber nicht auf jüngere Bewertungsgutachten, wie zum Beispiel ein 2011 von Deloitte verfasstes, das zum Ärger der Grünenpolitiker im Landesbankuntersuchungsausschusses des Münchner Landtags nie veröffentlicht worden ist. Sie bezieht sich schlicht auf Vernehmungsprotokolle von Gribkowsky aus dem Juni und Juli dieses Jahres - unmittelbar nach seiner Verurteilung zu achteinhalb Jahren Gefängnis wegen Untreue, Bestechlichkeit und Steuerhinterziehung.

Die BayernLB hat seit acht Tagen Akteneinsicht. Und nach dem Studium der Akten hat sie "vor kurzem" ein Anspruchsschreiben an Ecclestones Anwälte versandt, wie ein Sprecher der Bank bestätigt. Ob man diesen Anspruch auch vor Gericht durchzusetzen gedenke, will er nicht kommentieren. Schon nach der Urteilsverkündung Ende Juni hatte die Bank angekündigt, sich jene 66 Millionen Euro zurückzuholen, die Ecclestone an Provision für den Verkauf der Anteile erhalten hat, nur weil Gribkowsky ihm diesen Wunsch nicht abschlagen wollte. Gribkowsky selbst - ganz reuiger Sünder - hat inzwischen angekündigt, den Schaden wieder gut zu machen.

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