Lautes Signal US-Geldhäuser feiern Milliarden-Comeback

Kommt jetzt das Comeback der US-Finanz? Die größte US-Bank JP Morgan Chase verdient wieder so gut wie vor der Krise. Und auch Wells Fargo präsentiert plötzlich einen Rekordgewinn. Beide Geldhäuser profitieren ausgerechnet von einem alten Krisenherd - dem US-Immoblienmarkt.
Milliardengewinn: JP Morgan steigert Profit zuletzt deutlich

Milliardengewinn: JP Morgan steigert Profit zuletzt deutlich

Foto: REUTERS

New York - JP Morgan ist zurück. Der US-Bankenriese hat seinen Profit im vergangenen Quartal um ein Drittel auf 5,7 Milliarden Dollar gesteigert, wie das Institut am Freitag mitteilte. Das Ergebnis übertraf die Analystenerwartungen, weshalb die Aktien vorbörslich um 2 Prozent anzogen. Und das war nicht die einzige Bankenüberraschung des Tages.

Im dritten Quartal wuchs auch der Gewinn von Wells Fargo  im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf den Rekordwert von 4,94 Milliarden US-Dollar, wie das Institut am Freitag in San Francisco mitteilte. Damit übertraf es ebenfalls die Erwartungen von Analysten. Und wie auch JP Morgan profitierte die Bank von dem weiter anziehenden US-Immobilienmarkt. Dessen Aufschwung lässt Kreditausfälle sinken.

Wells Fargo gilt als einer Gewinner der Finanzkrise. Das Institut übernahm den Rivalen Wachovia  und entwickelte sich zum größten Kreditgeber für Häuser des Landes, ein Drittel aller Immobiliendarlehen stammt inzwischen Wells Fargo. An der Börse sind die Kalifornier inzwischen die wertvollste US-Bank.

Der Miniboom bei den US-Immobilienfinanzierungen beruht auf den niedrigen Zinsen. Viele Häuslebauer wollen aktuell ihre Hypotheken umschulden, um davon zu profitieren. "Der Häusermarkt hat die Talsohle durchschritten", bilanzierte JP-Morgan-Bankchef Jamie Dimon. Allein im Hypothekengeschäft nahm das Institut 1,8 Milliarden Dollar ein - 36 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Immobilienmarkt läuft an

Zugleich haben die Banken keine Probleme, die Immobilienfinanzierungen am Kapitalmarkt weiterzuverkaufen. Sie bündeln sie dafür in Wertpapiere, die mit Hypotheken besichert sind - der Markt für ähnliche Finanzprodukte war vor fünf Jahren zusammengebrochen, woraufhin die Finanzkrise ihren Lauf nahm.

Dennoch: Die Krise hallt weiter nach. JP Morgan etwa war erst im Sommer in die Schlagzeilen geraten, nachdem ein milliardenschwerer Handelsskandal in London entdeckt worden war. Fehlspekulationen mit Derivaten brockten dem Institut bis Ende Juni fast sechs Milliarden Dollar an Verlusten ein. "Im dritten Quartal sei nochmal "moderat" etwas dazugekommen, hieß es nun. Im letzten Vierteljahr sei mit weiteren Belastungen von 300 Millionen Dollar zu rechnen. Da der betroffene Händler ein Milliardenportfolio an Derivaten aufgehäuft hatte, wird er in den Medie "Londoner Wal" genannt.

Ganz verschont bleibt aber auch Wells Fargo nicht von den Altlasten der Finanzkrise. In dieser Woche verklagte die US-Regierung die Bank wegen Mauscheleien bei der Vergabe von Immobilien-Darlehen. Wells Fargo soll von 2001 bis 2005 mehr als 100.000 staatlich gesicherte Immobilien-Kredite unrechtmäßig vergeben haben. Die Bank weist die Vorwürfe zurück. Die leichtfertige Vergabe von Immobiliendarlehen durch US-Banken hatte die Finanzkrise damals ausgelöst.

Die Berichter von JP Morgan und Wells Fargo haben heute nicht zuletzt deshalb so viel Nachhall an der Börse gefunden, weil zuvor viele US-Börsenschwergewichte eher mit durchwachsenen Geschäftsverlaufen auf sich aufmerksam gemacht hatten.

Erste Gewinnbeichten überraschten

Hatte zum Beispiel schon der Aluminiumkonzern Alcoa (Kurswerte anzeigen) mit seinen Geschäftserwartungen die Konjunktursorgen der Investoren weiter angeheizt, gab am Donnerstagabend der Chiphersteller AMD  noch mal einen drauf und kappte wegen einer weltweit schwachen Nachfrage seine Umsatzprognose für das dritte Quartal. Zuvor hatten bereits die PC-Hersteller Hewlett-Packard  und Dell , aber auch der Rivale Intel  die Erwartungen gedämpft. AMD-Aktien sackten im nachbörslichen US-Handel um fast 10 Prozent ab und verloren im Frankfurter Geschäft 7,9 Prozent.

Etwas widersprüchlich fielen auch die letzten Konjunktursignale aus den USA aus. Das Defizit in der US-Handelsbilanz ist im August etwas stärker gestiegen als erwartet. Der Fehlbetrag habe 44,2 Milliarden Dollar betragen, teilte das Handelsministerium am Donnerstag in Washington mit. Volkswirte hatten mit einem Anstieg des Defizits auf 44,0 Milliarden Dollar gerechnet. Im Vormonat hatte der Fehlbetrag bei revidierten 42,5 Milliarden Dollar gelegen.

Dagegen deutete sich eine mögliche, klare Verbesserung am US-Arbeitsmarkt an. die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche stark gesunken und auf den tiefsten Stand seit Februar 2008 gefallen. Im Vergleich zur Vorwoche sank die Zahl um 30.000 auf 339.000 Anträge, wie das US-Arbeitsministerium am Donnerstag in Washington mitteilte. Volkswirte hatten mit 370.000 Anträgen gerechnet. Der Vorwochenwert wurde jedoch von 367.000 auf 369.00 Anträge revidiert.

kst/dpa-afx/rtr/afp
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