Montag, 16. September 2019

Faule Hypothekenpapiere US-Justiz zerrt JP Morgan vor Gericht

New Yorker Zentrale von JP Morgan: Bear Sterns soll für Verluste in Höhe von 22,5 Milliarden Dollar verantwortlich sein

Die Finanzkrise holt die größte Bank der USA ein: Die Staatsanwaltschaft in New York hat Klage gegen JP Morgan eingereicht. Sie wirft der von ihr  übernommenen Investmentbank Bear Sterns massiven Betrug beim Verkauf von Hypothekenpapieren vor.

New York - Der New Yorker Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman hat eine Klage gegen die größte US-Bank JP Morgan Chase eingereicht. Der Vorwurf: Die 2008 von JP Morgan übernommene Investmentbank Bear Stearns habe Investoren bei Hypothekenpapieren hinters Licht geführt, indem sie ihnen verschwieg, welche minderwertigen Hauskredite darin verpackt waren. Das habe zu riesigen Verlusten in Höhe von 22,5 Milliarden Dollar bei den Käufern der Papiere geführt.

Einige US-Medien werteten den Vorstoß als Vorboten einer Klagewelle kurz vor der Präsidentschaftswahl Anfang November. Barack Obama hatte sich bei seinem Amtsantritt auf die Fahnen geschrieben, die Wall Street zu zügeln. Er trieb die Finanzmarktreform voran, den sogenannten Dodd-Frank-Act. Kritiker sagen allerdings, das Regelwerk greife zu kurz.

Im Januar richtete die Regierung eine Gruppe mit hochrangigen Ermittlern ein, die Betrug mit Hypothekenpapieren nachgehen sollten. Zu den Mitgliedern zählt auch Schneiderman.

JP Morgan Börsen-Chart zeigen erklärte, die Bank sei enttäuscht, dass die Staatsanwälte ihr im Vorfeld nicht die Gelegenheit gegeben hätten, die Vorwürfe zu entkräften. Der Finanzkonzern gilt als Nutznießer der Finanzkrise, da er sich durch geschickte Zukäufe vergrößern konnte.

Seit der Finanzkrise laufen bereits zahlreiche Betrugsklagen, meistens von Investoren, die sich geprellt fühlen. Welche Folgen öffentliche Vorhaltungen wie jetzt bei JP Morgan haben können, hatte vor zwei Jahren die Investmentbank Goldman Sachs Börsen-Chart zeigen zu spüren bekommen. Die US-Börsenaufsicht SEC hatte ihr vorgeworfen, ebenfalls beim Verkauf von Hypothekenpapieren falschgespielt zu haben. Über Wochen stand das Wall-Street-Haus in der Kritik. Am Ende zahlte Goldman in einem Vergleich 550 Millionen Dollar, um den Fall zu den Akten legen zu können.

mg/dpa-afx/rtr

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