Samstag, 14. Dezember 2019

EnBW-Skandal Ex-Morgan-Stanley-Chef entschuldigt sich

Dirk Notheis, Ex-Deutschland-Chef der Investmentbank Morgan Stanley: Entschuldigung für "unangemessene und unprofessionelle Sprache"

Der frühere Morgan-Stanley-Chef Dirk Notheis entschuldigt sich für sein Auftreten im teuren EnBW-Deal des Landes Baden-Württemberg. Zugleich geht die Bank zum Gegenangriff über. Die Investmentbanker werfen dem Rechnungshof, der ihre Arbeit als Farce bezeichnete, Inkompetenz vor.

Stuttgart - Die Investmentbank Morgan Stanley hat ihr langes Schweigen zum milliardenschweren EnBW-Deal gebrochen und scharfe Kritik an der Arbeit des baden-württembergischen Rechnungshofes geübt. Die Investmentbank hält der Kontrollbehörde schlampige Arbeit vor, wie es in einem 20-seitigen Papier heißt. Die "Stuttgarter Nachrichten" hatten darüber zuerst berichtet. Die Grünen-Fraktion sieht in dem Schreiben einen vergeblichen Entlastungsversuch.

Zugleich entschuldigte sich am Donnerstag der frühere Deutschland-Chef der Bank, Dirk Notheis, für sein Auftreten in der Affäre. In einem Schreiben an den CDU-Politiker Ulrich Müller, der den Untersuchungsausschuss des Landtags leitet, und Landtagspräsident Guido Wolf bat er um "Entschuldigung für die unangemessene und unprofessionelle Sprache", zitieren die "Stuttgarter Nachrichten". Er bedaure den öffentlichen Eindruck, die Politik werde von ihren Beratern getrieben, schrieb Notheis weiter. Zum sachlichen Vorwurf, dass Baden-Württemberg mit 4,7 Milliarden Euro zu viel für 45 Prozent an EnBW Börsen-Chart zeigen gezahlt habe, wollte er sich nicht äußern.

In seinem bekannt gewordenen E-Mail-Schriftverkehr bezeichnete Notheis beispielsweise Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als "Mutti", die für Mappus ein Treffen mit Frankreichs damaligem Präsidenten Nicolas Sarkozy arrangieren solle. Auch forderte Notheis seinen Jugendfreund, den damaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus, auf, keine konkurrierenden Banken zur Überprüfung des Kaufpreises einzuschalten. In einem Brief an seinen französischen Bankkollegen René Proglio - der den von seinem Bruder Henri geführten Energiekonzern EdF Börsen-Chart zeigen als Verkäufer beriet - nannte er den Kaufpreis "mehr als üppig".

Morgan Stanley nennt eigenes Gutachten branchenüblich

"Der Rechnungshof hat die Erkenntnisquellen beliebig und sachwidrig beschränkt", heißt es in dem Papier, das am Dienstag an den Landtags-Untersuchungsausschuss, die Landtagsfraktionen sowie den Rechnungshof verschickt wurde. Morgan Stanley Börsen-Chart zeigen begründete die Kritik damit, dass der Rechnungshof lediglich Informationen berücksichtigte, die ihm bis Ende Mai 2012 bekannt gewesen seien.

Weiter schreibt die Investmentbank: Für den Rechnungshof habe es sich bei der Beurteilung von Leistungen einer Investmentbank um eine weitgehend unbekannte Materie gehandelt.

Auch wurden nach Darstellung der Investmentbank Informationen, die bis Ende Mai 2012 vorhanden waren, darunter insbesondere von ihr zur Verfügung gestellte E-Mails, nicht oder nur intransparent berücksichtigt. Laut Morgan Stanley ist es zudem branchenüblich, dass ein Gutachten zur Beurteilung eines geplanten Unternehmenskaufs - die sogenannte Fairness Opinion - von einer Investmentbank abgegeben wird, die die Transaktion gleichzeitig als Finanzberater begleitet.

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