Zinsmanipulationen Royal Bank of Scotland feuert Händler

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Royal Bank of Scotland jetzt erstmals Händler entlassen. Vorstandschef Hester will den Ruf seines Hauses schützen und spricht von Einzeltätern - gleichwohl gerät auch er unter Druck.
Foto: A2800 epa Andy Rain/ dpa

London - Die staatseigene Royal Bank of Scotland zieht Konsequenzen aus dem Skandal um Zinsmanipulationen und hat erstmals Entlassungen von Mitarbeitern bestätigt. Die Untersuchungen hätten ein Fehlverhalten einiger Banker ans Tageslicht gebracht, teilte das britische Institut mit, ohne Details zu nennen.

"Das Thema ist auf unserer Agenda", sagte Bankchef Stephen Hester. Der Skandal zeige, wie Fehler Einzelner und mangelnde Kontrollsysteme dem Ruf der Banken schaden könnten.

Händler der RBS, die zu 82 Prozent dem Staat gehört, stehen wie Mitarbeiter des Rivalen Barclays Regulierungskreisen zufolge im besonderen Fokus der Ermittler, die weltweit mehr als ein Dutzend Geldhäuser unter die Lupe nehmen. Finanzkreisen zufolge hat die Bank wegen des Skandals vier Händler entlassen.

Weltweit stehen zahlreiche Banken im Verdacht, wichtige Referenzsätze wie den Libor und den Euribor zu ihren Gunsten manipuliert zu haben. Die Zinsen beruhen auf den Refinanzierungskosten der Banken, die diese einmal täglich melden. Die Ermittler gehen Hinweisen nach, dass die Institute von 2005 bis 2009 die Sätze nach unten verzerrt haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Der Libor allein dient als Maßstab für Finanztransaktionen von mehr als 500 Billionen Dollar.

Bislang hat nur Barclays Strafe bezahlt

Barclays ist bislang als einziges Geldhaus in dem Skandal zu einer Strafe verurteilt worden und zwar in Höhe von fast einer halben Milliarde Dollar. Die RBS erklärte, man könne noch keine Schätzung über eine mögliche Strafe abgeben. Die Deutsche Bank, die ebenfalls untersucht wird, hat bislang mindestens zwei Händler suspendiert.

In einer internen Prüfung fanden sich bislang keine Hinweise auf eine Verstrickung des Top-Managements, wie der Aufsichtsrat neulich mitteilte. Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain steht dennoch unter Druck, weil er in der fraglichen Zeit das Investmentbanking verantwortet hat. Bei Barclays musste Chef Bob Diamond seinen Hut nehmen - auch er war zuvor Investmentbank-Boss.

Auch RBS-Chef Hester gerät wegen des Skandals unter Druck, zumal er eigentlich das angekratzte Image der in der Finanzkrise mit Milliarden geretteten Bank aufpolieren wollte. Er forderte am Freitag, dass die Branche nun entschieden durchgreifen müsse, damit sich so etwas nicht mehr wiederhole. "Das ist ein wirklich wichtiges Reputationsthema." Er sei aber überzeugt, dass es sich vor allem um Fehler einzelner Mitarbeiter handele und nicht um ein Versagen des gesamten Systems.

rei/rtr
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