Deutsche Bank Investmentbanking sorgt für Gewinneinbruch

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal noch weniger verdient als erwartet. Vor allem im Investmentbanking lief es schlecht. Die von vielen Experten erhoffte Kapitalerhöhung wollen die neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen nach wie vor nicht vornehmen.
Enttäuschende Bilanz: Ausgerechnet das von Anshu Jain (l. mit Jürgen Fitschen) jahrelang verantwortete Investmentbanking läuft schlechter als das Privatkundengeschäft

Enttäuschende Bilanz: Ausgerechnet das von Anshu Jain (l. mit Jürgen Fitschen) jahrelang verantwortete Investmentbanking läuft schlechter als das Privatkundengeschäft

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Die Deutsche Bank habe von April bis Juni 650 Millionen Euro verdient, teilte Deutschlands größtes Geldhaus bei der Vorlage der endgültigen Daten für das zweite Quartal mit. Das ist nur etwas mehr als die Hälfte dessen, was im Vorjahresquartal unter dem Strich gestanden hatte, nämlich 1,2 Milliarden Euro.

Auch der Vorsteuergewinn brach um 46 Prozent auf 960 Millionen Euro ein. Die Erträge sackten im Quartalsvergleich um 6 Prozent auf rund acht Milliarden Euro ab (Vorjahr: 8,5 Milliarden). Im gesamten ersten Halbjahr verdiente die Deutsche Bank unter dem Strich rund zwei (3,3) Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn summierte sich in den sechs Monaten auf rund 2,8 (4,8) Milliarden Euro.

Vor rund einer Woche hatte das Institut bereits Eckdaten für das zweite Jahresdrittel bekanntgegeben und warnte vor einem Gewinneinbruch auf rund 700 Millionen Euro. Die endgültigen Daten zeigen nun einen noch größeren Rückgang. Im ersten Quartal dieses Jahres hatte die Deutsche Bank  noch 1,4 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Im Vergleich zum Vorjahresquartal war dies aber auch schon ein Rückgang um ein Drittel gewesen.

Schuldenkrise belastet Investmentbanking

Ausgerechnet das Investmentbanking hat im zweiten Quartal ein Loch in die Bilanz der Deutschen Bank gerissen. Das Geschäft, mit dem der seit Juni amtierende Vorstandschef Anshu Jain viele Jahre die Milliarden für Deutschlands größtes Geldhaus verdiente, bekommt die Euro-Schuldenkrise voll zu spüren. Im zweiten Quartal brach der Vorsteuergewinn der Sparte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 63 Prozent auf 357 Millionen Euro ein.

Damit erwies sich der Spartengewinn von 1,7 Milliarden Euro im ersten Quartal 2012 als Strohfeuer. Im Schlussquartal 2011 hatte das Investmentbanking, in dem die Deutsche Bank zum Beispiel mit Beratung bei Fusionen und dem Anleihengeschäft Geld verdient, sogar rote Zahlen geschrieben. Wie bei den Rivalen in den USA und der Schweiz bremst die Schuldenkrise das einst so lukrative Kapitalmarktgeschäft.

Besserung erwarten die beiden neuen Vorstandschefs Anshu Jain und Jürgen Fitschen so schnell nicht. "Die Europäische Staatsschuldenkrise belastet weiterhin das Investorenvertrauen und die Kundenaktivitäten über alle Geschäftsbereiche hinweg", erklärten sie. Einen weiteren Stellenabbau im Investmentbanking gab Deutschlands größtes Geldhaus zunächst aber nicht bekannt. In Finanzkreisen hatte es zuletzt geheißen, in der Sparte stünden rund 1000 der zuletzt noch gut 10.000 Stellen auf der Kippe.

Vergleichsweise stabil blieb dagegen das Privatkundengeschäft. Obwohl der Vorsteuergewinn in der um die Postbank gestärkten Sparte im zweiten Quartal um 13 Prozent auf 398 Millionen Euro sank, lieferte das Privatkundengeschäft den größten Teil zum Vorsteuergewinn des Konzerns.

Gewinneinbruch in Vermögensverwaltung noch heftiger

Noch heftiger als im Investmentbanking war der Gewinneinbruch in der Vermögensverwaltung. Dort schmolz das Ergebnis um 85 Prozent auf nur noch 35 Millionen Euro zusammen. Die neue Bankspitze sucht gerade für diesen Bereich eine neue Strategie. Unter Vorgänger Josef Ackermann sollte ein großer Teil der Sparte verkauft werden. Die Verhandlungen scheiterten aber in der ersten Jahreshälfte. Die Hängepartie um den Verkauf führte zu enormen Abflüssen von Kundengeldern, wie die Bank selbst einräumte.

Die neuen Kapitalanforderungen für Finanzinstitute (Basel III) will die Deutsche Bank weiter ohne Kapitalerhöhung stemmen. Im Januar 2013 treten die verschärften Eigenkapitalvorschriften in Kraft, nach denen die Banken weltweit zahlreiche Kapitalinstrumente nicht mehr in die Waagschale werfen können. Die Kernkapitalquote der Deutschen Bank schrumpft dadurch - trotz der Gegenmaßnahmen - von zuletzt 10,2 auf 7,2 Prozent.

Die größte Deutsche Bank wird von Experten immer wieder dafür kritisiert, dass sie zu wenig Kapital für ihre Risiken zurückhält. Viele Analysten halten deshalb eine Kapitalerhöhung für notwendig. Die Deutsche Bank will die neuen Kapitalanforderungen weiter vor allem durch den Abbau von Risikogeschäften und einbehaltenen Gewinnen schaffen.

Engagement in Spanien weiter gesenkt

Ihr Engagement in spanischen Staatsanleihen hat die Bank im abgelaufenen Quartal weiter gesenkt. Ende Juni hatte das Institut noch 873 Millionen Euro in Papieren des Euro-Krisenlandes investiert. Drei Monate zuvor waren es noch knapp 1,4 Milliarden Euro. Dagegen erhöhte die Deutsche Bank ihre Investitionen in Italien von knapp zwei auf 2,5 Milliarden Euro. In den übrigen Krisenstaaten sank das ohnehin schon niedrige Engagement weiter. In Portugal hat die Deutsche Bank noch 143 Millionen Euro im Feuer, in Irland 338 Millionen und in Griechenland 35 Millionen.

Welche Gefahren der Deutschen Bank durch die spanische Bankenkrise drohen, ließ das Institut zunächst offen. Das Institut der Wirtschaftsprüfer (IdW) hatte Banken und Versicherungen aufgefordert, in den Quartalsbilanzen Risiken in Spanien deutlich zu machen. Leser der Bilanzen sollten sich selbst ein Bild über die Gefahren machen können. Pauschale Abschreibungen auf Investitionen in den spanischen Finanzsektor hielten die Wirtschaftsprüfer bislang aber nicht für nötig.

mg/afp/rtr/dpa-afx
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