Nach Anzeigen Ermittlungen gegen Ex-Bankia-Präsidenten

Sein Foto prangt auf den Titelseiten spanischer Zeitungen, Rodrigo Rato wird immer genannt, wenn Spanien Schuldige für die aktuelle Krise des Landes sucht. Jetzt hat Spaniens Justiz Ermittlungen gegen den früheren Verwaltungsrat-Chef der Pleitebank Bankia aufgenommen.  
Protest gegen Rodrigo Rato: Spaniens Justiz geht gegen Ex-Bankia-Manager vor

Protest gegen Rodrigo Rato: Spaniens Justiz geht gegen Ex-Bankia-Manager vor

Foto: Victor Lerena/ dpa

Madrid - Die spanische Justiz hat Ermittlungen gegen den früheren Verwaltungsrat-Chef der Pleitebank Bankia, Rodrigo Rato, eingeleitet. Der oberste Gerichtshof des Landes nahm am Mittwoch eine von vier Anzeigen gegen Rato an, wie die Behörden mitteilten. Neben dem Ex-Bankpräsidenten sind 32 weitere Manager des Geldinstituts und die Muttergesellschaft BFA betroffen. Die Behörden ermitteln Gerichtsunterlagen zufolge wegen Betrug, Unterschlagung und des Fälschens von Konten. Die vom Gericht angenommene Anzeige hatte die Zentrumspartei UPyD eingereicht.

Der frühere Chef der spanischen Zentralbank, Miguel Angel Fernandez Ordonez, soll ebenfalls als Zeuge vor Gericht erscheinen.

Die spanische Regierung hatte die schwer angeschlagene Bankia am 9. Mai mit einer Spritze von 23,5 Milliarden Euro gerettet. Damit wurde ein neues Kapitel in der spanischen Bankenkrise eingeläutet, in deren Folge Spanien mittlerweile Milliardenhilfen aus dem Euro-Rettungsfonds bei den Staaten der Euro-Zone beantragte. Spanische Anti-Korruptionsrichter untersuchen bereits die Gründung und den Börsengang von Bankia im Jahr 2010. Das Institut war aus der Fusion von sieben spanischen Sparkassen entstanden.

Tausende Kleinanleger hatten einen Großteil ihres investierten Geldes nach dem Börsengang des Instituts im vergangenen Jahr verloren. Angesichts der Verluste haben sich immer wieder tausende Demonstranten auf den Straßen versammelt und ihrer Wut mit Pfeif-Konzerten vor Bankfilialen Luft gemacht. Bankia war im Mai in Staatsbesitz übergegangen und Rato trat als Vorsitzender des Verwaltungsrats zurück.

Der Sparkassenkonzern geriet wegen des Zusammenbruchs des spanischen Immobilienmarkts und der Verschärfung der Schuldenkrise in Schieflage und musste verstaatlicht werden. Um den Geschäftsbetrieb weiter aufrechterhalten zu können, soll Bankia nun wie weitere spanische Kreditinstitute Gelder vom Banken-Restrukturierungsfonds (Frob) bekommen. Spanien könnte bis zu 100 Milliarden Euro erhalten, um seinen maroden Bankensektor zu sanieren. Die Bedingungen für die europäischen Milliardenhilfen sollen in den nächsten Wochen festgezurrt werden.

Rato war kurz vor dem Gewähren der Milliardenhilfen an Bankia von seinem Posten zurückgetreten. Er verzichtete anschließend auf eine Abfindung in Höhe von 1,2 Millionen Euro. Rato war von 1996 bis 2004 Wirtschaftsminister des Landes und danach Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF).

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