Britischer Bankenskandal Barclays-Chef Bob Diamond tritt zurück

Er wackelte bereits, jetzt ist er gefallen: Barclays-Chef Bob Diamond ist wegen des Manipulationsskandals um sein Institut mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Der gestrige Rückzug des Aufsichtsratschefs der Bank, Marcus Agius, ist damit vorerst aufgeschoben.
Abgang: Barclays-Chef Diamond verlässt das Unternehmen wegen des Skandals um Zinsmanipulationen

Abgang: Barclays-Chef Diamond verlässt das Unternehmen wegen des Skandals um Zinsmanipulationen

Foto: Dan Kitwood/ Getty Images

London - Nach tagelanger Kritik ist der Chef der britischen Großbank Barclays, Bob Diamond, zurückgetreten. Er zog damit die Konsequenzen aus der Affäre um versuchte Manipulationen am Interbankenzinssatz Libor. Der Druck auf Barclays habe ein Niveau erreicht, das die Zukunft des Unternehmens bedrohe, sagte Diamond in einer Mitteilung. "Das durfte ich nicht geschehen lassen." Ein Nachfolger steht noch nicht fest.

Die Suche verantwortet noch Verwaltungsratschef Marcus Agius, der am Montag ebenfalls seinen Rückzug angekündigt hatte. Dieser ist jetzt aber zumindest so lange aufgeschoben, bis er einen Nachfolger für Diamond gefunden hat. Solange leitet Agius auch die operativen Geschäfte der Bank.

In der vergangenen Woche waren Barclays von der britischen und der US-amerikanischen Finanzaufsicht Strafzahlungen in Höhe von 290 Millionen britischen Pfund (rund 345 Mio Euro) auferlegt worden. Der Liborsatz ist der Zinssatz, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Ermittlungen in diesem Fall laufen noch gegen viele andere Großbanken, darunter auch die Deutsche Bank . Die britische Finanzaufsicht FSA war zu dem Schluss gekommen, dass die Verfehlungen bei Barclays "ernst und großflächig" gewesen seien.

Barclays hatte am Montag eine interne Untersuchung der Vorfälle angekündigt. Ein neuer, verpflichtender Verhaltenskodex solle entwickelt werden.

Auch die britische Regierung hat am Wochenende eine unabhängige Untersuchung auf den Weg gebracht, vor der unter anderem Diamond aussagen soll. Die Royal Bank of Scotland (RBS ) soll derweil bereits Ende 2011 vier Händler entlassen haben, wie Medien am Sonntag berichteten. Das Institut ist seit der Finanzkrise größtenteils verstaatlicht.

In der kommenden Woche will der dafür zuständige Ausschuss des britischen Finanzministeriums untersuchen, was genau in der Londoner City vor sich ging.

cr/rtr/dpa
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