Gribkowsky-Prozess Ecclestone droht Anklage wegen Bestechung

In einem der größten deutschen Schmiergeldprozesse ist der frühere BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Auch Formel-1-Boss Bernard Ecclestone gerät nun in Bedrängnis: Ihm droht eine Anklage wegen Bestechung.
Es wird eng für den Formel-1-Boss: Bernie Ecclestone musste Ende 2011 zunächst als Zeuge im BayernLB-Prozess aussagen. Nach dem Geständnis von Gribkowsky droht Ecclestone, der sich "bedroht" fühlte, nun eine Anklage

Es wird eng für den Formel-1-Boss: Bernie Ecclestone musste Ende 2011 zunächst als Zeuge im BayernLB-Prozess aussagen. Nach dem Geständnis von Gribkowsky droht Ecclestone, der sich "bedroht" fühlte, nun eine Anklage

Foto: Tobias Hase/ dpa

München - Das Landgericht München sprach den 54-Jährigen Gribkowsky am Mittwoch wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung schuldig. Der Vorsitzende Richter Peter Noll sah es als erwiesen an, dass Gribkowsky im Jahr 2006 von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone 44 Millionen Dollar Schmiergeld angenommen und nicht versteuert hatte.

Das Geständnis Gribkowskys bringt Ecclestone massiv in Bedrängnis, ihm droht eine Anklage wegen Bestechung. Im Verfahren gegen Gribkowsky war der 81-jährige Brite einer von mehr als 40 Zeugen. Dabei räumte er zwar die Millionenzahlungen ein, stellte sie jedoch als Schweigegeld für Gribkowsky dar, der ihn erpresst habe.

In seinem Plädoyer erhob jedoch der Oberstaatsanwalt schwere Vorwürfe gegen den Formel-1-Boss. "Ecclestone war nicht Opfer von Erpressung, sondern ein Mittäter in einer Bestechung", sagte Oberstaatsanwalt Christoph Rodler. Verteidiger Amelung sagte, der Gribkowsky-Prozess sei "nur eine Ouvertüre zu einem weiteren Verfahren". Es sie nicht nachvollziehbar, warum Ecclestone bisher nicht angeklagt worden sei.

Gribkowsky sitzt bereits seit eineinhalb Jahren in Untersuchungshaft. Ihm drohen nun Schadenersatzforderungen seines früheren Arbeitgebers wegen der Formel-1-Affäre. Die BayernLB hatte Gribkowskys Vermögen bereits beschlagnahmen lassen, um im Fall einer erfolgreichen Klage nicht leer auszugehen. Auch wegen des fatalen Fehlkaufs der Kärntner Hypo Alpe Adria will die BayernLB ihren früheren Top-Manager zur Kasse bitten.

Der Staatsanwalt hatte zuvor auf zehn Jahre und sechs Monate plädiert. Gribkowsky habe 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone angenommen und die Zahlungen mit erheblicher krimineller Energie verschleiert, sagte Oberstaatsanwalt Christoph Rodler am Mittwoch in seinem Schlussplädoyer vor dem Landgericht München.

Gribkowsky hatte im Jahr 2006 als Risikovorstand der BayernLB den Auftrag, die Anteile der Bank an der Formel 1 zu verkaufen. Dabei arbeitete er eng mit Ecclestone zusammen, der die Bank als Eigentümer unbedingt los werden wollte. "Er fühlte sich eingeengt von den Bankern, die nichts verstehen", sagte Rodler. Um sicherzugehen, dass Gribkowsky den Verkauf in seinem Sinne regele, habe Ecclestone dem Banker aus Bayern einen Beratervertrag bei der Formel 1 und viel Geld versprochen - was Gribkowsky ganz recht war. "Er hatte schon lange die Absicht, die staubige Landesbank zu verlassen."

Um eine Zusatzprämie zu seinem Jahresgehalt von rund 500.000 Euro für sein Engagement beim Formel-1-Verkauf kämpfte Gribkowsky bei der BayernLB vergeblich. "Alle haben an dem Deal gewonnen, nur die Landesbank hatte ihm einen Bonus verweigert", sagte Rodler. Weil er Anerkennung für seine Arbeit gesucht habe und finanziell profitieren wollte, habe Gribkowsky die 44 Millionen Euro von Ecclestone angenommen und in der Steuererklärung nicht angegeben.

Geständnis zum "spätmöglichsten Zeitpunkt"

Als Jurist habe Gribkowsky gewusst, dass er gegen das Gesetz handelte und das Geld als Amtsträger der BayernLB nicht hätte annehmen dürfen. Der Staatsanwalt wirft ihm neben Bestechlichkeit auch Untreue und Steuerhinterziehung vor. Aus diesen Taten sollte eine Gesamtstrafe von zehn Jahren und sechs Monaten gebildet werden, forderte Rodler. Einen Teil davon hat Gribkowsky schon hinter sich: Seit eineinhalb Jahren sitzt er in Untersuchungshaft.

Gribkowsky hatte die Vorwürfe vor einer Woche nach acht Monaten Schweigen gestanden - und damit zum "spätmöglichsten Zeitpunkt", wie Rodler sagte. Das Gericht hatte ihm dafür eine Strafe von maximal neun Jahren in Aussicht gestellt und damit weniger als nun vom Staatsanwalt gefordert.

Ecclestone erhielt für seine Rolle als Vermittler des Käufers CVC, dem die Formel 1 bis heute gehört, 66 Millionen Dollar Provision - diese wäre ohne Gribkowskys Deal mit dem Briten nicht nötig gewesen und wird vom Staatsanwalt als Schaden für die BayernLB gewertet.

Ecclestone hatte bei seiner Zeugenaussage gesagt, er habe sich von Gribkowsky bedroht gefühlt und eine Anzeige bei den britischen Steuerbehörden befürchtet, die ihn Milliarden hätte kosten können. Dieser Version schenkte der Staatsanwalt keinen Glauben. Ecclestone sei nicht Opfer einer Erpressung, sondern Mittäter einer Bestechung.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dieses Verdachts auch gegen Ecclestone, hat aber noch keine Entscheidung über eine Anklage getroffen.

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la/dpa
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