Donnerstag, 20. Juni 2019

Agrarspekulationen LBBW verbannt Agrarrohstoffe aus Fonds

Agrarspekulationen: Die DekaBank und die LBBW sind bereits ausgestiegen, die Deutsche Bank versucht noch zu beweisen, dass die Investments unschädlich sind

Für die meisten Menschen gehören Mais, Weizen und Soja zu den wichtigsten Nahrungsmitteln - für andere sind sie nicht mehr als ein Investment. Verbraucherschützer bemängeln die Spekulationen damit. Nun steigt die LBBW aus dem umstrittenen Geschäft aus.

Stuttgart - Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) verzichtet bei ihren Produkten künftig auf Investments in Agrarrohstoffe. "Damit reagieren wir auf die öffentliche Diskussion, inwieweit Investments in Nahrungsmittel ethisch vertretbar sind", erläutert ein LBBW-Sprecher. Deshalb würden die beiden Fonds "LBBW Rohstoffe 1" und "LBBW Rohstoffe 2 LS" mit einem Gesamtvolumen von rund 645 Millionen Euro entsprechend umgestellt.

Im Portfolio der Fonds machten Agrarrohstoffe allerdings ohnehin nur einen kleinen Teil aus, sagte der Sprecher weiter. Künftig würden sich die Fonds ganz auf Rohstoffe wie Metalle, Öl und Gas konzentrieren, hieß es.

Die Fonds sollen vorbehaltlich der aufsichtsrechtlichen Zulässigkeit ab Jahresende ohne Agrarrohstoffinvestments angeboten werden. Der 2008 aufgelegte "LBBW Rohstoffe 1" galt als erster Rohstofffonds nach deutschem Recht. Er sollte vierteljährlich in die zehn aussichtsreichsten Rohstoffe investieren.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßte diesen Schritt. Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode sagte: "Nach der DekaBank der Sparkassen geht nun auch die Landesbank Baden-Württemberg den einzig richtigen Schritt und steigt aus den unverantwortlichen Geschäften auf Kosten der Ärmsten aus." Nun müssten auch die genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken nachziehen.

Auch für die Deutsche Bank, die immer noch zögere und bis zum Jahresende eine Studie zu den Auswirkungen der Nahrungsmittelspekulation vorlegen wolle, sollten die Reaktionen von DekaBank und LBBW ein klares Signal sein, sagte Bode. "Angesichts der erdrückenden Belege für die Schädlichkeit der Nahrungsmittelwetten gibt es nur eine richtige Konsequenz - aussteigen."

mg/dpa-afx

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