Kapitalausstattung Schweizer Nationalbank rügt Credit Suisse

In ungewohnter Offenheit hat die Schweizer Nationalbank die Kapitalausstattung der Großbank Credit Suisse gerügt. Sie empfiehlt ihr, auf Dividenden zu verzichten und das Kapital zu erhöhen - die Aktie bricht ein. Aber auch die UBS bekommt ihr Fett weg.
"Das Risiko des Zusammenbruchs einer großen Bank bleibt substanziell": Die Schweizer Nationalbank sieht die Lage ihrer Großbanken kritisch

"Das Risiko des Zusammenbruchs einer großen Bank bleibt substanziell": Die Schweizer Nationalbank sieht die Lage ihrer Großbanken kritisch

Foto: Martin Ruetschi/ dpa/dpaweb

Bern - Die beiden Schweizer Großbanken Credit Suisse und UBS müssen sich nach Einschätzung der Schweizer Notenbank stärker gegen die Euro-Schuldenkrise wappnen. Vor allem Credit Suisse müsse Gas geben und das Kapital, das zur Verlustdeckung geeignet ist, noch in diesem Jahr deutlich erhöhen, heißt es im jährlichen Bericht zur Finanzstabilität der Schweizerischen Nationalbank (SNB).

Neben einem weiteren Abbau von Risiken sollte Credit Suisse  einen Dividendenverzicht oder sogar eine Kapitalerhöhung ins Auge fassen, empfiehlt die SNB. Vorschreiben kann die SNB das der Bank nicht, sie ist nicht für die Aufsicht über einzelne Banken zuständig. Dennoch hat die Forderung der für die Systemstabilität zuständigen Institution großes Gewicht.

An der Schweizer Börse sackten die Credit-Suisse-Aktien um mehr als Prozent auf 17,48 Franken ab, den tiefsten Stand seit rund 20 Jahren. Der europäische Bankenindex büsste 1 Prozent ein.

Es sei bemerkenswert, dass die Nationalbank die Credit Suisse öffentlich rüge und fordere, dass das Kapital noch in diesem Jahr signifikant aufgebaut werden müsse, sagte Claude Zehnder, Anlagestratege der Zürcher Kantonalbank. "Das riecht nach Kapitalerhöhung. Da reagiert der Markt verschnupft."

Nachdem die Bank die Finanzkrise überstanden habe, haben sie zu großzügig Dividenden ausbezahlt. Credit Suisse, die im Gegensatz zur UBS  ohne staatliche Unterstützung durch die Finanzkrise gekommen war, hatte bereits 2009 wieder eine Dividende gezahlt.

Die CS entgegnete, dass sie zu den am besten kapitalisierten und mit Liquidität ausgestatteten globalen Banken zähle. Dies sehe auch der Markt so. Als Beleg führte das Institut die Kreditrisiko-Ausfallversicherungen (CDS) an, die zu den günstigsten in der Branche gehörten.

Nationalbank: "Risiko eines Zusammenbruchs bleibt bestehen"

Der Rivale UBS, der nach der Finanzkrise mit Ausnahme von zuletzt symbolischen zehn Rappen auf eine Dividendenausschüttung verzichtete, müsse den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Die größte Schweizer Bank begrüßt die Empfehlungen. "Mit unserer Strategie wollen wir den weiteren Kapitalaufbau sicherstellen und unsere führende Kapitalposition stärken", erklärte ein Sprecher.

Zwar haben die beiden Geldhäuser kaum Kredite an die krisengeschüttelten Peripherieländer der Eurozone ausstehen. Aber angesichts ihrer Verflechtungen mit dem europäischen Bankensektor könnte eine Verschärfung der Krise auch ihnen substanzielle Verluste bescheren, heißt es in dem Bericht weiter. "Das Gegenparteien-Risiko für das Schweizer Bankensystem hat zugenommen" schrieb die SNB. "Das Risiko des Zusammenbruchs einer großen Bank bleibt substanziell."

Nationalbank: Kapitalausstattung nach Basel III unterdurchschnittlich

Schließlich, so die SNB, seien die beiden Schweizer Häuser nicht so krisenfest wie es auf den ersten Blick aussehe. Zwar gehören Credit Suisse und UBS gemessen an den derzeit gültigen Vorschriften mit Eigenkapitalquoten von 15,6 Prozent und 18,7 Prozent zu den am besten kapitalisierten Banken der Welt. Aber da ist Kapital eingerechnet, das nicht zur Deckung von Verlusten herangezogen werden kann.

Werden die schärferen Regeln von Basel III zugrunde gelegt, liegen die Eigenkapitalquoten nach SNB-Angaben mit 5,9 Prozent und 7,5 Prozent unter dem weltweiten Branchendurchschnitt. "Auch wenn Fortschritte erzielt wurden, ist das verlustabsorbierende Kapital immer noch unter dem Niveau, das den Banken eine ausreichende Widerstandsfähigkeit Verleiht."

Zwar müssen die neuen Basel-III-Vorschriften erst bis 2019 voll umgesetzt werden, aber nach Ansicht der SNB stellen sie aus wirtschaftlicher Sicht schon im heutigen Umfeld die richtige Messlatte dar. Neben der Euro-Schuldenkrise müssten die Banken auch die höheren Kreditrisiken einkalkulieren, die im teilweise überhitzten Schweizer Immobilienmarkt lauern.

Die SNB erkennt in ihrem Bericht an, dass die beiden Großbanken ihre risikogewichteten Aktiva in den letzten zwölf Monaten deutlich abgebaut und so die Eigenkapitalquoten verbessert haben. Es sei aber unklar, wie weit damit auch die wirtschaftlichen Risiken reduziert worden seien.

rei/rtr
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