Freitag, 20. September 2019

Senatsanhörung Kleinlauter J.P.Morgan-Chef gesteht Schlamperei

J.P.Morgan-Chase-Chef Jamie Dimon: Rechtfertigung vor dem Bankenausschuss des US-Senats

Das schockte die Finanzwelt: J.P.Morgan machte im Mai zwei Milliarden Dollar Verlust mit einer Derivatewette. Jetzt hat sich J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon dafür vor dem US-Senat rechtfertigen müssen - und lieferte den Abgeordneten versehentlich einen Steilpass für strengere Finanzregeln.

Washington - Er schlug sich zwei Stunden lang wie erwartet gut. Aber er konnte es nicht verhindern: J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon lieferte dem Kongress bei der viel beachteten Anhörung am Mittwoch eine Steilvorlage für strengere Finanzmarkt-Regeln. Er könne den milliardenschweren Verlust aus dem am 10. Mai bekannt gewordenen Derivate-Deal auf einen Anleiheindex "nicht verteidigen", musste der 56-Jährige mit dem silbergrauen Haar zugeben. Und er machte für das Derivatedebakel unzureichende interne Risikokontrollen verantwortlich. Den Händlern seines Hauses, die die brisanten Wetten eingegangen waren, attestierte Dimon, sie hätten diesen Deal nicht richtig verstanden.

"King Jamie" begann kleinlaut und musste sich im Bankenausschuss des US-Senats gleich zu Beginn zahlreiche knifflige Fragen gefallen lassen. Zum Beispiel diese vom Demokratischen Senator Tim Johnson aus South Dakota: "Wie kann eine Bank ein so hohes Risiko auf sich nehmen, wenn es das eigentliche Ziel des Derivate-Deals ist, Risiko zu verringern ? Oder ging es etwa darum, Geld mit der Wette zu machen?"

Bevor J.P.Morgan-Chef Jamie Dimon überhaupt auf die beißenden Fragen antworten konnte, unterbrachen Proteste die Anhörung. "Dieser Mann ist ein Gauner, er gehört ins Gefängnis", rief ein Aktivist durch den Saal. Als er von Sicherheitskräften rausgetragen wurde, sprangen Dutzende von Zuschauern auf und skandierten "Stoppt die Zwangsversteigerungen." Eine mehrminütige Unterbrechung hielt den energiegeladenen Bankenboss des größten US-Geldhauses jedoch nur kurz von seinem sorgfältig vorbereiteten Auftritt ab. "Wir haben eine Menge Leute enttäuscht und es tut uns Leid", entschuldigte sich Dimon in einer schon am Vorabend verbreiteten Erklärung. Die milliardenschweren Verluste, die der J.P.Morgan-Chef am 10. Mai erstmals eingeräumt hatte, seien als Sicherungsgeschäft getätigt worden, hätten sich dann aber in etwas verwandelt, "das ich nicht öffentlich verteidigen" kann.

J.P-Morgan-Chef: "Wahrscheinlich werden einige Boni zurückgefordert"

Der Mann, dem viele an der Wall Street das solideste Ego und das ausgeprägteste Selbstbewusstsein bescheinigen, begann seine viel beachteten Ausführungen denkbar defensiv. Er musste zugeben, dass die Risiken der Wette, die sein Chief Investment Office Ende März und Anfang April ins Minus abgleiten sah, von den Spezialisten der Bank unterschätzt worden waren: "Die Händler hatten nicht das richtige Verständnis von den Risiken, die sie eingingen", räumte Dimon ein, "als die Derivate-Positionen Anfang April erste Verluste auswiesen, gingen die Händler fälschlicherweise von einer vorübergehenden Marktbewegung aus." Kein Wort davon, wie viele Details die Vorstandsetage wirklich kannte.

Beim folgenden Hinweis des 56-jährigen Dimon, die fehlgeschlagene Wette auf einen Index aus Firmenanleihen sei "ein isolierter Fall", griff Tim Johnson noch einmal ein: "Hatte die zuständige Abteilung aufgrund der ausgelobten Boni einen Grund, ein höheres Risiko einzugehen?", piekste der Senator den Banker. Das Vergütungsmodell der Bank habe nicht zu dem gewagten Deal beigetragen, versicherte Dimon, doch "wahrscheinlich werden einige Boni zurückgefordert." Das besänftigte aber nur wenige Senatoren in dem Ausschuss. J.P.Morgan hatte vor einigen Wochen eingestehen müssen, dass die Verluste aus dem geplatzten derivate-Deal noch höher als ursprünglich beziffert ausgefallen waren.

Mehrere Fernsehsender übertrugen die zweistündige Anhörung landesweit live, darunter CNBC und Bloomberg TV. Das war eine Gelegenheit, die sich den Politikern im US-Parlament bis zum Tag der Präsidentenwahl am 6. November nicht so oft bietet. Also bohrten vor allem die Demokratischen Senatoren kräftig nach.

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