Wieder Millionengehalt Blessings Zeit der Bescheidenheit ist vorbei

Der Commerzbank-Gewinn brach zuletzt ein. Dennoch wird Vorstandschef Blessing 2012 erstmals wieder ein Millionengehalt beziehen - ohne Boni versteht sich. Trotzdem ist der Manager damit einer der am schlechtesten bezahlten Vorstandschefs im Dax.
Coba-Chef Blessing bezieht in diesem Jahr wieder ein Millionengehalt, denn die Bank hat ihre Staatshilfen großteils getilgt

Coba-Chef Blessing bezieht in diesem Jahr wieder ein Millionengehalt, denn die Bank hat ihre Staatshilfen großteils getilgt

Foto: Arne Dedert/ dpa

Frankfurt am Main - Martin Blessing, Chef der Commerzbank , bekommt 2012 nach vier mageren Jahren zum ersten Mal wieder ein Millionengehalt. Nachdem die zweitgrößte deutsche Bank ihre Staatshilfen zu rund 90 Prozent getilgt hat, steht Blessing ein Grundgehalt von 1,3 Millionen Euro zu. Dazu kommen variable Boni, die abhängig vom Abschneiden der Bank und ihrer Wertentwicklung Millionenbeträge erreichen können.

Das neue Vergütungssystem war bereits auf der Hauptversammlung vor zwei Jahren festgelegt worden. Doch waren die Vorstandsgehälter der Commerzbank seit 2008 auf eine halbe Million Euro gedeckelt, seit 2010 sogar durch Gesetz. Dies galt aber nur so lange, wie die Bank keine Zinsen auf die Stille Einlage des Bundes zahlte oder so lange nicht die Hälfte der Staatshilfen zurückgezahlt waren. Letzteres hatte die Commerzbank mit einer elf Milliarden Euro schweren Doppel-Kapitalerhöhung geschafft.

Trotz des Gehaltssprungs wird Blessing auch in diesem Jahr zu den am schlechtesten bezahlten Vorstandschefs deutscher Großunternehmen gehören. Schlusslicht bei der Vergütung unter den übrigen 29 Dax-Unternehmen war 2011 der damalige Beiersdorf -Chef Thomas Quaas mit 1,42 Millionen Euro.

Bei der Deutschen Bank verdiente der scheidende Vorstandschef Josef Ackermann 2011 rund 9,4 Millionen Euro, sein Nachfolger, der Investmentbanker Anshu Jain, 9,8 Millionen. Auch bei der Commerzbank sind die Vorstände nicht die bestbezahlten Manager.

Im Commerzbank-Aufsichtsrat habe es Ende vergangenen Jahres keine Diskussion darüber gegeben, ob die Deckelung ab 2012 aufgehoben werden sollte. "Das war selbstverständlich. Da musste man gar nicht darüber reden", sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Nachrichtenagentur Reuters. Das "Handelsblatt" zitierte Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller mit den Worten: "Der Vorstand hat exzellente Arbeit geleistet." Für die mehr als zwei Milliarden Euro hohe Ergebnisbelastung im vergangenen Jahr durch die Umschuldung Griechenlands könne er schließlich nichts.

Gehaltserhöhung mit Finanzminister wohl nicht abgesprochen

Die Zeitung berichtete, die Gehaltserhöhung für Blessing sei nicht mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble abgestimmt gewesen. Der mit 25 Prozent an der Commerzbank beteiligte Bund hat keine eigenen Vertreter im Aufsichtsrat. Er lässt sich dort durch Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard und den früheren Bundesbank-Vorstand Edgar Meister vertreten. In Kreisen des Gremiums hieß es, der Bankenrettungsfonds Soffin sei über alle Schritte informiert gewesen.

Bei der Abstimmung über das neue Vergütungssystem auf der Hauptversammlung 2010 hatte sich der Soffin demonstrativ enthalten. Ein Versuch Müllers, das Gehalt für die Vorstände schon 2010 um 50 Prozent zu erhöhen, war am politischen Widerstand gescheitert.

Ein Commerzbank-Sprecher sagte, mit dem Ende der Deckelung folge der Aufsichtsrat nur dem Text des Restrukturierungsgesetzes von 2010. "Im Gesetz ist ausdrücklich festgelegt, dass die entsprechenden Regelungen in den Verträgen von Organmitgliedern und Mitarbeitern zu berücksichtigen sind. Dieses hat die Bank getan."

Theoretisch kann Blessing sein Jahresgehalt auf bis zu 4,8 Millionen Euro steigern. Doch um den Maximalbetrag an variablen Gehaltsbestandteilen zu erhalten, müsste er seine Ziele deutlich übererfüllen. Erfüllt Blessing sie nur zu 100 Prozent, winken ihm bis zu 1,75 Millionen Euro Bonus. Dieser wird zum Teil erst nach vier Jahren ausbezahlt. Die übrigen Vorstandsmitglieder der Commerzbank bekommen 2012 ein Grundgehalt von 750.000 Euro. Mit Boni können sie rechnerisch auf 2,75 Millionen kommen.

rei/rtr

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