US-Investmentbank Insider zieht über Goldman Sachs her

Die US-Investmentbank Goldman Sachs ist ungewöhnlich scharf von einem Ex-Manager kritisiert worden. Goldman-Banker bezeichneten ihre Kunden als "Deppen", schreibt Greg Smith. Es ist eine weitere Blamage für das Institut.
Von Torben Schultz
Greg Smith: Goldman vernachlässige Kundeninteressen, schreibt der Ex-Manager

Greg Smith: Goldman vernachlässige Kundeninteressen, schreibt der Ex-Manager

New York/Hamburg - Goldman Sachs vernachlässige die Interessen seiner Kunden, schrieb ein Ex-Manager der Investmentbank, Greg Smith, in einem Gastbeitrag  für die "New York Times". Goldman-Mitarbeiter müssten Kunden von Investments überzeugen, die lediglich der Bank Profit brächten. Darunter seien "Produkte, die wir loswerden wollen, weil sie nicht als sonderlich gewinnträchtig angesehen werden", so Smith. Goldman-Banker bezeichneten Kunden intern sogar als "muppets" ("Deppen").

Smith beklagte den Verlust der Unternehmenskultur bei Goldman. Sei das Geschäft noch vor wenigen Jahren von Werten geprägt gewesen wie Redlichkeit und Bescheidenheit, drehe sich inzwischen alles ums schnelle Geld. "Ich sehe keine Spur mehr von der Kultur, wegen der ich die Arbeit in dieser Firma viele Jahre lang geliebt habe", schrieb der Ex-Manager.

Mit seinen Ausführungen hat Smith eine Lawine losgetreten. "Jeder an der Wall Street hat das gelesen", sagte Bloomberg-Moderator Erik Schatzker. Seine Kollegin Sara Eisen ergänzte: "Es ist ein Desaster für Goldman Sachs." In Internetforen, Blogs und auf Twitter ergoss sich Spott über die Bank.

Vor Ausbruch der Finanzkrise hatte Goldman Sachs  Milliarden in das Geschäft mit kreditbesicherten Wertpapieren investiert und nach Auffassung der US-Börsenaufsicht SEC dabei Investoren hinters Licht geführt. Über Monate stand das Institut am Pranger und zahlte am Ende in einem Vergleich 550 Millionen Dollar (419 Millionen Euro), um aus den Schlagzeilen zu kommen. Ende 2011 wurde bekannt, dass sich Goldman erneut Klagen über 15,8 Milliarden Dollar gegenüber sieht. Das ist verglichen mit einer zuvor genannten Summe von 485 Millionen Dollar das 30-fache.

Goldman-Chef Blankfein verantwortlich

Smith machte Goldman-Chef Lloyd C. Blankfein und Präsident Gary D. Cohn in dem Artikel persönlich für den Werteverfall verantwortlich. Für Goldmans langfristiges Überleben sei dies "die größte Bedrohung", so Smith.

Blankfein sah sich daraufhin veranlasst, eine lange E-Mail an seine Mitarbeiter zu schreiben. Die fand über das "Wall Street Journal" gleich ihren Weg an die Öffentlichkeit: "Überflüssig zu sagen, dass wir enttäuscht sind über die Einlassungen dieser Person." Blankfein versicherte: Das sei nicht die Goldman Sachs, die er kenne. "Wir sind weit davon entfernt, perfekt zu sein, aber wenn die Firma ein Problem erkennt, gehen wir es an."

Smith arbeitete seit der Jahrtausendwende bei Goldman. Zuletzt war er Chef des Aktienderivategeschäfts in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika. Der Ex-Manager betonte in dem Artikel, er sei stolz auf seine Kundenberatung gewesen, die darauf gezielt habe, das Beste für den Kunden zu erreichen - "selbst, wenn es weniger Geld für die Firma bedeutete". Diese Ansicht sei zunehmend unpopulär bei Goldman.

So hätten sich die Anforderungen an Führungskräfte verändert. "Wenn Du genug Geld für die Firma verdienst, wirst Du in eine einflussreiche Position befördert." Grundvoraussetzung sei außerdem, "undurchsichtige Produkte mit einer Abkürzung aus drei Buchstaben zu handeln". Damit dürfte Smith vor allem auf Credit Default Swaps (CDS) anspielen. Ihr Handel hatte maßgeblich zur Entstehung der Finanzkrise beigetragen. Die Kreditderivate erlauben den Handel von Kreditausfallversicherungen.

Goldman Sachs wurde 1869 vom deutschen Auswanderer Marcus Goldman in New York gegründet. Neben Merryl Lynch ist sie eine von zwei verbliebenen US-Investmentbanken. Die dritte, Lehman Brothers, musste 2008 im Zuge der Finanzkrise Insolvenz anmelden.

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