Mittwoch, 11. Dezember 2019

Vertrauenskrise Frankreichs Banken kämpfen um ihren Ruf

Finanzzentrum La Défense: Kreditklemme voraus?

Mit Frankreich steht und fällt die Euro-Zone. Nun liefert die zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents beruhigende Nachrichten. Die französischen Banken räumen ihre Bilanzen so rabiat auf, dass sie solider wirken als die deutschen Wettbewerber. Doch das könnte noch Folgen haben.

Hamburg - Jean-Laurent Bonnafé gibt sich ganz gelassen. Mit unbewegter Miene präsentiert der neue Chef von BNP Paribas die Geschäftszahlen für das abgelaufene Jahr. "Ich denke, dass es sich hier um einen hervorragenden Auftritt im Vergleich zum Rest des Markts handelt", übt er die Balance von Stolz und Bescheidenheit.

Tatsächlich ist der Reingewinn von sechs Milliarden Euro der höchste einer Bank in der Euro-Zone, vor allem weit Wettbewerber wie die einstige Gewinnmaschine Santander deutlich stärkere Einbußen erlitten als die Franzosen, die Deutsche Bank ihre eigenen Ambitionen deutlich verfehlte (und die italienische Unicredit bis zum Herbst sogar einen zweistelligen Milliardenverlust verbuchte). Auch die Eigenkapitalrendite von 8,8 Prozent - nach Steuern wohlgemerkt - lässt die führende französische Bank als Erfolgsmodell erscheinen.

"BNP Paribas hebt sich als einige der wenigen Banken ab, die für 2011 eine beachtliche Dividende zahlen", sagt Bonnafé. Wichtiger jedoch ist ihm etwas anderes: "Ich möchte daran erinnern, dass die BNP ihr hartes Eigenkapital in den letzten drei Jahren verdoppelt hat." Die Rolle als "solide Bank" stellt die Präsentation der Geschäftszahlen heraus.

Die von der Europäischen Bankenaufsicht verlangte Kernkapitalquote von 9 Prozent habe die Bank schon sechs Monate vorzeitig erreicht, bis zum Jahresende werde es auch für die strengeren Ziele des auf 2016 abzielenden Regelwerks Basel III reichen.

Frankreichs Wirtschaft wächst, die deutsche nicht

Ähnlich präsentiert sich der größte heimische Wettbewerber, dessen Ergebnis allerdings ein gutes Stück schwächer ausfällt. "In einem vor allem von der brutalen Vertrauenskrise in der Euro-Zone bewegten Jahr hat die Société Générale alle wichtigen Ziele erreicht", beharrt ihr Chef Frédéric Oudéa. Auch sie hat die 9-Prozent-Hürde bereits Ende 2011 genommen.

Die soliden Ergebnisse der Großbanken liefern ein weiteres ermutigendes Zeichen, nachdem am Mittwoch veröffentlichte Konjunkturdaten zeigten, dass Frankreich - im Unterschied zu Deutschland - zum Jahresende ein wenn auch geringes Wirtschaftswachstum zustande brachte.

Das Land, dem die Kreditratingagentur Standard & Poor's bereits die Bestnote AAA aberkannt hat, steht unter argwöhnischer Beobachtung am Finanzmarkt. Bis zu 15 Prozent ihrer Dollars haben US-Geldmarktfonds in Frankreich investiert, weit mehr als in jedem anderen Land. Diese Großsammelstellen kurzfristiger Mittel gelten als möglicher Überträger der Euro-Krise auf die USA. Diese Finanzquelle, wie auch der Interbankenmarkt, sei nun "eingefroren", räumt BNP-Chef Bonnafé unumwunden ein.

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