Samstag, 7. Dezember 2019

Vertrauenskrise Frankreichs Banken kämpfen um ihren Ruf

Finanzzentrum La Défense: Kreditklemme voraus?

2. Teil: Rabiate Schrumpfkur für die Bankbilanzen

Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil findet, Frankreich habe "die gleichen Probleme wie die Länder der Euro-Peripherie": stark gestiegene Lohnstückkosten, eine deutlich negative Handelsbilanz, ein unflexibler Arbeitsmarkt, Haushaltskonsolidierung "nur in Trippelschritten" - und alles drohe noch schlimmer zu werden, wenn die Franzosen wie von allen Meinungsumfragen vorhergesagt im Mai den Sozialisten François Hollande zum Präsidenten wählen. "Frankreich droht das Italien von morgen zu werden", resümiert Weil.

Die französischen Banken gelten auch deshalb als anfällig, weil sie am meisten Geld in griechische Staatsanleihen investiert haben. Société Générale Börsen-Chart zeigen und die kleinere Crédit Agricole besitzen zudem eigene Filialbanken in Griechenland und sind so direkt von der dortigen Misere betroffen.

Der Société Générale brachte die griechische Tochter Geniki im vergangenen Jahr einen Verlust von 350 Millionen Euro. Crédit Agricole musste ihrer Beteiligung Emporiki im Januar zwei Milliarden Euro zusätzliches Kapital stiften.

Beide Großbanken haben jetzt aber umso rabiater ihre Bilanzen aufgeräumt. Der Wert griechischer Staatsanleihen wurde um 75 Prozent abgeschrieben und damit das derzeit diskutierte Maximum für einen Schuldenschnitt eingerechnet, was allein die BNP Paribas im vergangenen Jahr 3,4 Milliarden Euro kostete. Zudem haben sie etliche der Schuldenpapiere aus Problemstaaten abgestoßen, die BNP Paribas rund die Hälfte, Société Générale gar fast zwei Drittel des Bestands.

Angst vor "Le Crunch"

Quer durch die Bilanz stoßen beide Institute seit dem Sommer auch andere Risikoposten im großen Stil ab, im Fall der Société Générale zählen dazu auch Altlasten aus der Frühphase der Finanzkrise wie verbriefte Pakete von US-Wohnhaushypotheken. Die BNP Paribas hat ihre Bilanz im vergangenen Jahr um 140 Milliarden Euro gekürzt - und so ihre Kapitalquote verbessert, weil der Risikopuffer ein kleineres Vermögen absichern muss.

Auch ihre Liquiditätssorgen haben die französischen Großbanken mit konsequentem Risikoabbau beantwortet. Vor allem Geschäfte in Dollar geben sie auf. Der Finanzbedarf der BNP Paribas in der US-Währung sank so nach eigenen Angaben im zweiten Halbjahr um 57 Milliarden Dollar. Jetzt sei sie nicht mehr auf die Geldmarktfonds von jenseits des Atlantik angewiesen. Ebenso meldet SocGen-Chef Oudéa, seine Bank habe "in wenigen Monaten die Bilanz erheblich gekürzt, indem sie gezielt Aktiva der Investmentsparte aufgab und so der Verknappung von Dollar-Finanzierung abhalf".

Analyst Kinner Lakhani von der Citigroup lobt die ergriffenen Maßnahmen als richtig. Die Entschuldung sei bereits bedeutend vorangekommen, allerdings seien ein weiterer spürbarer Abbau der Verschuldung und Anteilsverkäufe nötig.

"Wir bleiben vorsichtig gegenüber den französischen Banken", erklären John-Paul Crutchley und Alastair Ryan von der Schweizer UBS. Auch im Vergleich zu italienischen Wettbewerbern seien hier noch mehr Rückschläge zu erwarten. Die Schrumpfkur der Banken in den kommenden zwei Jahren werde mit 600 bis 800 Milliarden Euro doppelt so groß ausfallen wie vom Markt erwartet. Das werde nicht nur ihre Gewinnmöglichkeiten schmälern. "Es besteht auch das Risiko, dass die Banken den Kreditzyklus mit ihrem Schuldenabbau verschärfen." Die Folge: "Le Crunch" - eine Kreditklemme für die französische Wirtschaft.

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