Steuerhinterziehung USA zerren Schweizer Bank vor Gericht

Erstmals haben US-Fahnder eine ganze Bank als Steuerhinterzieher gebrandmarkt. Das Schweizer Geldhaus Wegelin & Co habe sich mit Briefkastenfirmen und anonymen Konten zum Komplizen von steuerflüchtigen US-Bürgern gemacht. Jetzt hat die US-Justiz Anklage erhoben.
Ende nach Jahrhunderten: Schweizer Bankhaus Wegelin durch Steueroptimierungen untergegangen

Ende nach Jahrhunderten: Schweizer Bankhaus Wegelin durch Steueroptimierungen untergegangen

Foto: MICHAEL BUHOLZER/ REUTERS

Washington - Die USA haben erstmals eine ausländische Bank wegen Steuerhinterziehung angeklagt. Und es trifft ein Geldhaus mit ungewöhnlich langer Tradition: Die US-Fahnder werfen ausgerechnet dem Schweizer Bankhaus Wegelin & Co vor, sich der Komplizenschaft bei der Steuerflucht von US-Bürgern schuldig gemacht zu haben; Wegelin ist das älteste Schweizer Bankhaus überhaupt. Jetzt aber geht die US-Justiz gleich gegen das ganze Bankhaus vor.

Die Bank selbst solle in das Verfahren gegen drei Angestellte des Geldinstituts einbezogen werden. Dabei sei allerdings unklar, ob das Verfahren tatsächlich erfolgreich sein könne - denn Wegelin habe nie eine Filiale in den USA unterhalten.

Das Justizministerium erklärte, es habe 16 Millionen Dollar auf einem US-Bankkonto von Wegelin beschlagnahmt; das sind umgerechnet 12,1 Millionen Euro. Das aber ist nur der aktuell vorliegende Fall: Nach Ansicht der US-Justizbehörden habe Wegelin reichen Amerikanern geholfen, mindestens 1,2 Milliarden Dollar vor der Steuer zu verstecken. Die Bank habe noch Steuersündern eine Zuflucht geboten, als in den USA in der gleichen Sache schon Ermittlungen gegen die Großbank UBS liefen - und Kunden übernommen, die die UBS nicht mehr haben wollte.

Die US-Behörden werfen Wegelin und den drei angeklagten Beschäftigten des Instituts konkret vor, US-Kunden mit einem System von Briefkastenfirmen und anonymen Konten bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Dabei habe die Bank mit ihrer Diskretion geworben, weil sie in den USA keine Niederlassung habe. Abgewickelt wurden Zahlen den Angaben zufolge über ein Konto der Bank bei einer Niederlassung der Schweizer Großbank UBS .

Wegelin hat erklärt, im vergangenen Jahrzehnt nicht gegen Schweizer Recht verstoßen zu haben. Die UBS war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Wegelin selbst, das älteste Schweizer Bankhaus, ist an dem Steuerstreit mit den USA zerbrochen. Das im Jahr 1741 gegründete Institut hatte Ende Januar angekündigt, die Raiffeisen-Bank übernehme ihr gesamtes Geschäft außerhalb der USA. Das Management habe sich zu diesem "radikalen" und "außerordentlich schmerzlichen Vorgehen" durchgerungen, weil die Situation für das Institut durch die Ermittlungen "zunehmend bedrohlich" geworden sei.

kst/ afp
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