Montag, 23. September 2019

6,3 Milliarden Euro neues Kapital Commerzbank verzichtet auf Staatshilfe

Commerzbank-Chef Blessing: Das Kernkapital soll um 6,3 Milliarden Euro gestärkt werden

Commerzbank-Chef Blessing hat sein Maßnahmenpaket zur Deckung der milliardenschweren Kapitallücke vorgestellt. Wie bereits angekündigt, will er die Anforderungen der Bankenaufsicht aus eigener Kraft erfüllen. Mit der Umsetzung könnte die Bank sogar noch mehr Geld einnehmen als gefordert. 

Frankfurt am Main - Der Vorstand habe ein Maßnahmenpaket zur Stärkung des harten Kernkapitals beschlossen, mit dem die Commerzbank die Anforderungen der Bankenaufsicht EBA zum Stichtag 30. Juni aus eigener Kraft erfüllen werde, teilte das Institut mit. Damit solle das Kernkapital sogar um 6,3 Milliarden Euro gestärkt werden. Der Aktienkurs ging steil nach oben und legte zeitweise um bis zu 10 Prozent zu.

Die Commerzbank will unter anderem ihre Anteile an der russischen Bank Promsvyazbank verkaufen. Das sagte Finanzvorstand Eric Strutz am Donnerstag. Die Commerzbank halte etwa ein Siebtel aller Anteile an der Promsvyazbank, sagte ein Sprecher. Wie viel Geld die Transaktion bringen soll, wurde jedoch nicht klar. Die Bank plant, Kreditrisiken aus dem Mittelstand als Paket am Kapitalmarkt zu veräußern. "Wir sind gerade dabei, ein solches Paket vorzubereiten", sagte der Vorstand der Mittelstandsbank, Markus Beumer. Insgesamt will die Commerzbank weitere 17 Milliarden Euro an Risiken abbauen.

Die EBA hatte eine Lücke von lediglich 5,3 Milliarden Euro festgestellt, die der Commerzbank Börsen-Chart zeigen zum Erreichen einer Quote von 9 Prozent des harten Kernkapitals noch fehlen. Mit der höheren Quote sollen die Banken in Europa besser gegen Risiken wie etwa den Ausfall von Staatspapieren gewappnet sein.

Knapp 60 Prozent des Lochs habe die Commerzbank schon Ende 2011 geschlossen, unter anderem durch einen Gewinn im vierten Quartal von 1,2 Milliarden Euro. Auf weitere 1,2 Milliarden Euro hofft die Bank in den ersten beiden Quartalen 2012. Die Risikoaktiva (RWA) seien bereits um 17 Milliarden Euro reduziert worden, was den Kapitalbedarf um weitere 1,6 Milliarden Euro gesenkt habe.

Eine Umwandlung der 750 Millionen Euro großen Stillen Einlage der Allianz Börsen-Chart zeigen ist vorerst nicht Teil des Plans. Auch Staatshilfe brauche die Bank nicht, bekräftigte Finanzchef Eric Strutz. Vorstandschef Martin Blessing hatte zuletzt immer wieder betont, dass er nicht noch einmal - wie nach der Finanzkrise 2008 - Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen will. Der Bund ist derzeit noch mit 25 Prozent an dem zweitgrößten deutschen Geldhaus beteiligt.

Laut einem Bericht der "Financial Times" hat die Bankenaufsicht EBA jedoch Zweifel, dass die Commerzbank tatsächlich ohne neue Staatshilfe auskommt. Es erscheine "fast unausweichlich", dass die deutsche Nummer zwei erneut darauf zurückgreifen müsse, sagten hochrangige EBA-Beamte der Zeitung vor Veröffentlichung des konkreten Plans der Bank.

mg/ak/dpa/rtr/dapd

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