Donnerstag, 19. September 2019

Eigenkapitallücke Allianz will Commerzbank helfen

Im Fokus: Die Commerzbank braucht dringend einige Milliarden Euro

Für die Commerzbank tickt die Uhr: Bis Mitte 2012 muss sie ihre Kapitallücke von 5,3 Milliarden Euro schließen. Einen potenten Helfer hat sie dabei offensichtlich an ihrer Seite, nämlich die Allianz. Der Anteilseigner soll bereit sein, der Bank entscheidend unter die Arme zu greifen.

Frankfurt am Main - Großaktionär Allianz springt der Commerzbank Finanzkreisen zufolge in der Not bei. Der Münchener Versicherer sei grundsätzlich bereit, seine stille Einlage von 750 Millionen Euro so anzupassen, dass die Commerzbank sie zum Stopfen ihrer rund 5,3 Milliarden Euro großen Eigenkapitallücke nutzen kann, sagten mehrere mit den seit Dezember laufenden Gesprächen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Beschlüsse gebe es aber noch nicht.

Damit käme die Bank dem Ziel einen großen Schritt näher, die Lücke ohne staatliche Hilfe zu schließen. "Die Bank ist zuversichtlich, das Paket rechtzeitig schnüren zu können", sagte ein Insider. Es werde aber bis zur letzten Minute dauern. Die Allianz Börsen-Chart zeigen und die Commerzbank Börsen-Chart zeigen wollten sich nicht dazu äußern.

Die Commerzbank-Aktie legte nach der Meldung deutlich zu und notierte am Nachmittag 4 Prozent im Plus bei 1,29 Euro. Allianz-Papiere lagen 1,3 Prozent im Plus. "Falls die Commerzbank das benötigte zusätzliche Kapital wirklich ohne Staatshilfe oder eine Kapitalerhöhung aufbringen könnte, wäre das ein Befreiungsschlag für die Aktie", kommentierte ein Händler. Jeder Schritt auf dem Weg dahin wäre sehr positiv zu bewerten.

Die Allianz hatte die stille Einlage kurz nach der Übernahme ihrer Tochter Dresdner Bank durch die Commerzbank gezeichnet. Sie wird von der EU-Bankenaufsicht nicht als hartes Kernkapital anerkannt, weil der Versicherer auch dann Zinsen darauf erhält, wenn die Bank Verluste schreibt. Damit die Commerzbank sie in die Waagschale werfen kann, müssten die Zinsen vom Gewinn abhängig sein.

Spekulation um gehärtete Einlage

Ob die Einlage "gehärtet" oder direkt in Aktien umgewandelt wird, war zunächst offen. In jedem Fall würde die Allianz damit ein größeres Risiko eingehen. Sie ist nur noch mit weniger als 5 Prozent an der Commerzbank beteiligt. Allianz-Finanzvorstand Oliver Bäte hatte in den Gesprächen mit der Commerzbank zunächst zur Bedingung gemacht, dass sein Konzern durch die Änderung keinen finanziellen Schaden erleide.

Nun sieht sich die Allianz aber offenbar in der Pflicht, zur Stabilisierung des Finanzsystems in Europa beizutragen. Sie hatte sich in der vergangenen Woche bereit erklärt, bei der 7,5 Milliarden Euro schweren Kapitalerhöhung von Unicredit mit 150 Millionen Euro mitzuziehen, an der sie 2 Prozent hält.

Der Rettungsplan der Commerzbank wäre damit zu vier Fünftel perfekt. 2,7 Milliarden Euro soll die Reduzierung der Risiken in der Bilanz (RWA) bringen, 700 Millionen Euro hat die Bank durch den Rückkauf von Hybridanleihen eingesammelt. 200 Millionen Euro dürfte der Verkauf der früheren Dresdner-Bank-Zentrale gebracht haben.

Die Commerzbank muss wie 30 andere europäische Banken bis zum 20. Januar den Aufsehern einen Plan vorlegen, wie sie bis Ende Juni auch unter den widrigen Bedingungen der Schuldenkrise auf neun Prozent hartes Kernkapital kommen will. Insgesamt fehlen den Instituten nach Berechnungen der EU-Aufsicht EBA mehr als 115 Milliarden Euro.

cr/rtr/dpa-afx

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