Probleme bei Kapitalerhöhung Unicredit will Kapitalspritze erzwingen

Die italienische Großbank Unicredit hat bei ihrer dringend benötigten Milliarden-Kapitalspritze massive Probleme und will neue Investoren nun mit billigeren Aktien locken. Dies sorgt für Unruhe im Bankensektor: Viele Titel europäischer Großbanken , darunter die Commerzbank, tauchen ab.
Kapitalerhöhung mit allen Mitteln: Um Anleger zu locken, bietet Unicredit neue Aktien mit einem Abschlag von 43 Prozent an

Kapitalerhöhung mit allen Mitteln: Um Anleger zu locken, bietet Unicredit neue Aktien mit einem Abschlag von 43 Prozent an

Foto: AFP

Mailand - Italiens ehemalige Vorzeigebank Unicredit ist schwer in der Bredouille. Sie versucht in der Finanzkrise, ihr Kapitalpolster aufzufüllen - mit allen Mitteln. Das Kreditinstitut versucht nun mit einem hohen Kursabschlag, die geplante Kapitalerhöhung von 7,5 Milliarden Euro zu stemmen.

Die Alt-Aktionäre sollen dabei eine bittere Pille schlucken. Denn die neuen Aktien werden zu knapp 2 Euro angeboten - ein Abschlag von 43 Prozent, wie die Bank am Mittwoch in Mailand mitteilte. Dies ist deutlich höher als von Analysten erwartet. Der Kurs sank am Mittwoch an der Börse um knapp 10 Prozent auf 5,72 Euro und damit auf ein neues Tief in der Geschichte der Bank.

Im Zuge der Probleme von UniCredit verloren auch die Papiere der deutschen Großbank Commerzbank (Kurswerte anzeigen) , die ebenfalls frische Milliarden braucht, deutlich.

Unicredit  , Muttergesellschaft der HypoVereinsbank, braucht die geplante Kapitalerhöhung, um die von der europäischen Bankenaufsicht EBA festgestellte Lücke in der Bilanz zu schließen.

Die Alteigentümer können die insgesamt 3,86 Milliarden neuen Anteile zu 1,943 Euro das Stück kaufen, hieß es. Dies sei ein um das Bezugsrecht bereinigter Abschlag von 43 Prozent. Die Zahl der Unicredit-Papiere steigt durch die Kapitalaufstockung von knapp zwei Milliarden auf fast 5,8 Milliarden.

Bankenaufsicht zwingt zur Aufstockung des Kapitalpolsters

Am Aktienmarkt sorgten die Details der mit Spannung erwarteten Kapitalerhöhung für eine herbe Enttäuschung. Lange Zeit zählte das Geldhaus zu den Gewinnern der Branche - mit der Übernahme der deutschen HypoVereinsbank im Jahr 2005 wurden die Italiener zu einem der größten Institute Europas. Anfang 2007 war das Papier zeitweise mehr als elfmal so viel wert wie aktuell.

Doch der Glanz dieser Zeiten ist längst verflogen. Der damals von allen gefeierte Spitzenbanker Alessandro Profumo musste im Herbst 2010 wegen des umstrittenen Großaktionärs Libyen seinen Hut nehmen. Zudem belastete die Finanzkrise des Jahres 2008 die Bank wie die gesamte Branche.

Mit der Eskalation der europäischen Schuldenkrise seit Mitte 2011 kam es für die Unicredit besonders dick. Da sie sehr viele italienische Staatsanleihen in den Büchern und zudem eine Menge hausgemachter Probleme hat, hatte die europäische Bankenaufsicht EBA Anfang Dezember eine Kapitallücke von fast acht Milliarden Euro bei den Italienern festgestellt.

Diese soll jetzt mit der durchgepeitschten Kapitalerhöhung größtenteils geschlossen werden. Zudem steht im Inland ein schwieriger Umbau mit zahlreichen Stellenstreichungen an. Zuletzt schrieb die Bank einen Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe. Dies lag vor allen an immensen Abschreibungen auf die Beteiligungen in Osteuropa.

Die jetzt geplante Kapitalerhöhung ist die dritte seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Bei den beiden vorangegangen Schritten hatte die Bank zusammen 7 Milliarden Euro eingenommen. Seitdem ist Libyen als Großaktionär mit insgesamt rund 7,5 Prozent Anteile an der Bank. Daneben sind die Mediobanca, andere italienische Banken und auch die Allianz an der Bank beteiligt. Der deutsche Versicherer hat sich zusammen mit einigen italienischen Sparkassen bereiterklärt, etwas mehr als 14 Prozent der neuen Aktien zu zeichnen.

Zugleich hat die Führungsspitze der Bank die Hoffnung geäußert, dass andere Großaktionäre rund zehn Prozent der neuen Aktien kaufen. Hier gebe es aber noch keine festen Absichtserklärungen. Die Altaktionäre können ihr Bezugsrecht ab kommenden Montag (9. Januar) bis zum 27. Januar ausüben. Sollten dann nicht alle neuen Aktien über den Tisch gegangen sein, müssen die mit dem Verkauf beauftragten Investmentbanken die Papiere platzieren oder selbst zeichnen.

la/dpa
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