Pilotprojekt Commerzbank verkauft Kredite der Konkurrenz

Die gebeutelte Commerzbank bricht ein Tabu: Das Institut will künftig auch Kreditprodukte der Konkurrenz anbieten. Damit soll das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen werden.
Commerzbank in Frankfurt: Pilotprojekt zur unabhängigen Vermittlung von Immobilienkrediten gestartet

Commerzbank in Frankfurt: Pilotprojekt zur unabhängigen Vermittlung von Immobilienkrediten gestartet

Foto: dapd

Frankfurt am Main - Ein Pilotprojekt zur unabhängigen Vermittlung von Immobilienkrediten laufe in Hamburg, teilte Martin Zielke, Privatkundenvorstand bei der Commerzbank, mit. "Wir wollen unseren Kunden die besten Angebote auf dem Markt zur Verfügung stellen." Funktioniere das, solle das Angebot 2012 auf ganz Deutschland ausgeweitet werden. "Das macht keine andere Filialbank."

Solche neuen Angebote seien auch eine Reaktion auf die tiefe Verunsicherung der Kunden. "Wir haben im Moment eine Vertrauenskrise", sagte Zielke, der seit gut einem Jahr den Privatkundenbereich der zweitgrößten deutschen Bank verantwortet. "Wir müssen vieles viel besser erklären."

Zielke räumte ein, dass die Turbulenzen an den Kapitalmärkten und die Schuldenkrise in der Euro-Zone die Geschäfte belasten: "Viele Kunden wissen im Moment nicht, wie sie ihr Geld anlegen können." Vor diesem Hintergrund steht auch das ursprünglich für 2012 anvisierte Ziel eines operativen Gewinns von einer Milliarde Euro im Privatkundensegment in den Sternen. "Grundsätzlich halte ich diese Marke für erreichbar", sagte Zielke. "Wann das sein wird, hängt natürlich stark von den Marktbedingungen ab."

Dresdner-Bank-Integration soll 300 Millionen Euro einsparen

In den ersten neuen Monaten des laufenden Jahres verdiente die Commerzbank  in ihrem Privatkundengeschäft operativ 266 Millionen Euro. Im kommenden Jahr rechnet das teilverstaatlichte Institut in dem Segment unter anderem infolge der Dresdner-Bank-Integration mit Kosteneinsparungen von rund 300 Millionen Euro im Vergleich zu 2011.

"Solange sich das Kapitalmarktumfeld nicht nachhaltig verbessert, wird das Spuren im Geschäft hinterlassen", sagte Zielke. "Die derzeitige Staatsbeteiligung ist kein Thema bei den Kunden." Einen positiven Beitrag lieferte Zielkes Sparte zuletzt für den Kampf gegen die Kapitallücken des Konzerns. Mit zwei Angeboten - Tagesgeld und Festgeld - seien in den vergangenen sechs Monaten mehr als drei Milliarden Euro an neuen Einlagen gewonnen worden.

Der Manager betonte: "Wir machen keine Geschäfte, mit denen wir im Endeffekt kein Geld verdienen." Zielke versicherte, dass die Kunden der Bank in Deutschland nichts von den Sparanstrengungen des Konzerns zu spüren bekommen werden: "Die Kreditvergabe hierzulande wird nicht eingeschränkt." Das gelte erst recht für Immobilienkredite.

Erik Nebel und Jörn Bender, dpa
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