Asset Management Die Fondsbranche muss sich neu erfinden

Die Unicredit hat es bereits hinter sich, der Deutschen Bank steht es noch bevor - die Überprüfung ihres Unternehmensbereichs Asset Management. Auch andere müssen ihr Fondsgeschäft neu ordnen. Denn das Geschäft mit der Verwaltung fremden Geldes ist schwierig geworden.
Von Arne Gottschalck
Deutsche Bank: Die Zukunft der Vermögensverwaltung liegt im Dunkeln

Deutsche Bank: Die Zukunft der Vermögensverwaltung liegt im Dunkeln

Foto: REUTERS

Hamburg - Männer wie Jörg Bantleon können sich in den Turbulenzen der Krise weitgehend gelassen geben. Während Männer wie Josef Ackermann verkünden, ihren Unternehmensbereich Asset Management weltweit überprüfen zu wollen. Eigentlich kein Wunder. Denn das Geschäft mit dem Geld der Kunden, die Vermögensverwaltung, ist ein komplexes Geschäft geworden, mit dem Banken sich zunehmend schwertun. Und nicht nur die. Von deren Problemen profitieren unabhängige Unternehmen wie Bantleon, die sich auf die Verwaltung von Anleihen spezialisiert haben. Doch von Anfang an.

Vor gut fünfzehn Jahren war das Asset Management ein vergleichsweise einfaches Geschäft. Anleger, egal ob Profi oder Normalsparer, investierten Geld in Fonds - und wer viele Fonds anbieten konnte, konnte viele Anleger locken. Je mehr, umso besser. Denn jeder Anleger zahlt Gebühren für die Dienste des Fondsmanagers. Ein einträgliches Skalengeschäft. Und da sich die Leistungen der einzelnen Produkte nicht sehr deutlich von einander unterschieden, konnten alle nebeneinander existieren.

Kein Wunder, dass fast jede Bank und viele Versicherungen eine entsprechende Gesellschaft im Organigramm aufweisen.

ETFs graben Anbietern klassischer Fonds die Kundschaft ab

Doch spätestens die Jahrtausendwende und das Platzen der Dot-com-Blase an den Börsen führten dazu, dass Anleger sich fragten, wieso sie Gebühren zahlen, obgleich sie mit ihren Investmentfonds Geld verloren. Die Branche reagierte vor allem mit neuen Produkten wie zum Beispiel Garantiefonds. Der Charme für deren Anbieter: Verkauften die von der Krise entnervten Kunden ihre Aktienfonds und investieren in Garantiefonds, wurden neue Gebühren fällig. Doch je größer und breiter das Angebot wurde, umso schwieriger wurde das Geschäft. Denn die Investoren wurden kritischer und zogen ihre Gelder immer stärker von jenen Angeboten ab, die sie nicht überzeugten, und investierten in andere Finanzprodukte, die ihnen erfolgversprechender und günstiger erschienen. Zum Beispiel in Exchange Traded Funds (ETF).

Denn zumindest auf den ersten Blick sind diese Produkte im Vergleich zu den aktiv verwalteten Fonds kostengünstig. Prognosen wie das Trendbarometer Zertifikate 2011 von der Steinbeis-Hochschule Berlin sagen voraus, dass das Interesse an dieser Anlageform wachsen wird. So soll der Anteil an ETF an einem Standardportfolio eines Privatanlegers von 7 auf 9 Prozent steigen, der Anteil aktiv verwalteter Fonds von 32 auf 30 Prozent sinken. Damit setzten die ETF die Fondsbranche von der einen Seite unter Druck.

"Letztlich selbst schuld"

Von der anderen Seite drücken die Zahlen der Vergangenheit. Denn es zeigte sich, dass die vermeintlich treffenden Antworten der Finanzindustrie auf die Anforderungen der modernen Welt nicht immer so überzeugend ausfielen wie geplant. Zuletzt zeigten das die mathematisch geprägten Fondsmodelle, die in den vergangenen Jahren den Markt dominierten. Auf den ersten Blick wirken sie überzeugend. Doch den Praxistest haben längst nicht alle bestanden.

Paul Davidson, emeritierter Professor der University of Tennessee, schreibt sinngemäß, dass die Finanzindustrie mittels ihrer mathematischen Modelle davon ausgeht, die Zukunft als statische Wahrscheinlichkeit sehen zu können. Doch genau das sei nicht möglich. Tatsächlich haben diese "ergodischen Modelle", so die Imponiervokabel dafür, zumindest nicht geholfen, den Anleger vor den Verwerfungen der Krise zu schützen.

Inzwischen schieben die Anbieter daher nun die Mischfonds nach vorne in der Auflage. Produkte also, die mittels der Zusammenstellung unterschiedlicher Assetklassen stabile Erträge anpeilen und den Investoren durch diese Stetigkeit den Wechsel zur Konkurrenz verleiden sollen. Von Mischfonds sprechen allerdings nicht mehr viele, Multiasset ist das moderner klingende Schlagwort. ETF, Multiasset oder auch quantitative Modelle - es erinnert an jene Zeiten, als den Telekommunikationsunternehmen dämmerte, dass mit dem Festnetz kaum mehr Geld zu verdienen sei. Doch das Pendant des Smartphones für die Finanzindustrie ist noch nicht in Sicht. Zudem verschärft der regulatorische Druck die Situation weiter.

Mischfonds im Angebot - Multiasset ist das Schlagwort

Zum Beispiel der auf die Banken. So lautet eine der Kernforderungen der Regulatoren, dass Banken ihre Eigenkapitalbasis stärken müssen. Das bedeutet, dass die Finanzhäuser die Effizienz des Zentralgeschäfts genau überprüfen werden. Und das bedeutet auch manch skeptischen Blick auf die hauseigenen Assetmanager. "Natürlich haben alle Anbieter, egal ob Bank, KAG oder Assetmanager mit den erheblichen regulatorischen Anforderungen zu kämpfen, woran sie aber letztlich selbst schuld sind", sagt Consulant Clemens Schuerhoff von der Beratungsgesellschaft Kommalpha. "Sie haben schließlich zu der Überhitzung und zu diversen Fehlentwicklungen der letzten Jahre durch ihr Agieren beigetragen und dabei mächtig verdient."

Die neuen regulatorischen Anforderungen bedeuten maßgebliche Investitionen in IT und qualifiziertes Personal und bringen kurzfristig keinen Return, so Schuerhoff weiter. "Das wird zu Folge haben, dass es Verschiebungen am Markt geben wird - Übernahmen, In- und Outsourcing-Beziehungen, Joint Ventures und so weiter."

Da passt es ins Bild, dass die Deutsche Bank über die Zukunft ihres Asset Managements nachdenkt. Und dass sich die Credit Suisse von ihrem US-Offshore-Geschäft verabschiedet. Andere werden folgen - und einige haben schon reagiert.

Die italienische Großbank Unicredit (Kurswerte anzeigen) zum Beispiel hatte ihren Assetmanager Pioneer Investments auf den Prüfstand gestellt und dazu alle Optionen durchgespielt, auch die eines Verkaufs. Dennoch hat sich das Unternehmen offenbar entschieden, Pioneer zu behalten und sogar zu stärken. Auch die Schweizer Bank Julius Bär hat sich bereits 2009 von ihrem Asset Management-Geschäft getrennt, indem sie den Vermögensverwalter GAM und Julius Bär Asset Management abgespalten und in die GAM Holding eingebracht hat.

Ein Modell auch für Deutsche Bank & Co? Die Antwort werden Ackermann und seine designierten Nachfolger Anshu Jain und Deutschland-Chef Jürgen Fitschen geben müssen.

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