Stresstest Deutschen Banken fehlen 13,1 Milliarden Euro

Sechs deutsche Banken sind beim Stresstest der europäischen Bankenaufsicht EBA durchgefallen. Die Commerzbank benötigt laut EBA 5,3 Milliarden Euro und die Deutsche Bank 3,2 Milliarden Euro, um verschärften Kapitalanforderungen zu genügen. Insgesamt fehlen den europäischen Großbanken knapp 115 Milliarden Euro.
Frankfurter Bankenviertel: Glitzernde Fassaden, doch Kapitalbedarf in Milliardenhöhe

Frankfurter Bankenviertel: Glitzernde Fassaden, doch Kapitalbedarf in Milliardenhöhe

Foto: Boris Roessler/ dpa

Frankfurt am Main - Stress im Bankensektor: Sechs deutsche Banken brauchen nach Einschätzung der europäischen Aufseher für Krisenzeiten insgesamt 13,1 Milliarden Euro zusätzliches Kernkapital. Die größte Lücke machte der jüngste Stresstest bei der teilverstaatlichten Commerzbank mit 5,3 Milliarden Euro aus, wie die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin am Donnerstagabend gemeinsam mitteilten.

Basis für den Test der EBA war die Kapitalausstattung der Banken zum 30. September 2011. Allerdings haben die Institute bis zum 30. Juni 2012 Zeit, ihr Kapitalpolster aufzufüllen.

Mit dem Stresstest sollten die die Aufseher ermitteln, wie viel Geld den Banken fehlt, um auch bei einer Bewertung von Staatsanleihen zu Marktpreisen auf eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zu kommen.

Der Deutschen Bank  fehlen laut EBA 3,2 Milliarden Euro, um eine harte Kernkapitalquote von 9 Prozent zu erreichen. Bei der Commerzbank  sind es nach Angaben der EBA 5,3 Milliarden Euro. Die Aktien beider Institute gaben im späten Handel deutlich nach.

Kapitalbedarf haben auch die genossenschaftliche DZ Bank sowie die Landesbanken Helaba, NordLB und WestLB. Die Helaba hatte schon am Mittwoch mitgeteilt, dass sie nach EBA-Definition eine Kapitallücke von rund 1,5 Milliarden Euro hat.

Bafin: Kapitalbedarf bei Anwendung einer "sehr harten Kernkapitaldefinition"

Bundesbank und Bafin stellten klar, der nun festgestellte Kapitalbedarf resultiere "in erster Linie aus Anwendung einer sehr harten Kernkapitaldefinition". Teilweise sei der Kapitalbedarf bereits gedeckt: So haben die Träger der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) und der NordLB längst Maßnahmen zur Kapitalstärkung beschlossen. Diese werden aber erst zum Jahresende wirksam - und wurden von der EBA wegen des Stichtags 30. September 2011 nicht anerkannt.

Zudem ließ die Londoner Behörde EBA die zumeist schlechten Geschäftsergebnisse aus dem dritten Quartal einfließen, setzte strengere Maßstäbe für Risikoanlagen an und schränkte die Verrechnung von Gewinnen und Verlusten bei Staatsanleihen ein.

Der beim EU-Gipfel Ende Oktober beschlossene Test soll Vertrauen in die Stabilität der Banken zurückgewinnen. Kritiker bezweifeln, dass das gelingt.

Kapitalbedarf in Europa bei rund 115 Milliarden Euro

Den europäischen Großbanken fehlen nach Berechnungen der EU-Bankenaufsicht insgesamt 114,7 Milliarden Euro Kapital. Das sind rund acht Milliarden mehr als nach den vorläufigen Daten von Ende Oktober. Der Kapitalbedarf für die deutschen Institute steigt von 5,2 Milliarden Euro Ende Oktober auf auf 13,1 Milliarden Euro. Damit hat sich der Kapitalbedarf fast verdreifacht.

Die Banken sollen nun vier Wochen länger Zeit bekommen, ihre Pläne zur Kapitalaufstockung vorzulegen: bis zum 20. Januar statt bis zum 25. Dezember.

Größte Kapitallücke in Spanien

Die größte Kapitallücke gibt es laut EBA in Spanien - die dortigen Banken benötigen zusammen 26,2 Milliarden Euro. Bei den italienischen Häusern fehlen 15,4 Milliarden Euro, bei den französischen 7,3 Milliarden Euro.

Die meisten europäischen Banken wollen die Kapitallücken aus eigener Kraft zu schließen. Auch die seit der Finanzkrise teilverstaatlichte Commerzbank  will neuerliche Hilfen des Bundes unbedingt vermeiden. Konzernchef Martin Blessing will Bilanzrisiken um 30 Milliarden Euro herunterfahren, Randgeschäfte verkaufen und Gewinne einbehalten. Zudem dürfen einzelne Geschäftsfelder derzeit keine Kredite mehr vergeben. Ein Rückkauf von Hybridanleihen läuft der Commerzbank bereits.

Lediglich die italienische Unicredit  kündigte bereits eine Kapitalerhöhung an. Sie soll 7,5 Milliarden Euro einbringen. Angesichts des derzeit großen Misstrauens gegenüber den Banken gilt ein solcher Schritt aber als sehr schwierig.

la/rei/dpa/reuters/ap
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