Versuchter Anschlag "Funktionsfähige Briefbombe" an Ackermann

Die Hinweise auf einen versuchten Sprengstoffanschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann haben sich erhärtet. Bei dem an Ackermann persönlich adressierten DIN-A-5-Umschlag handelte es sich laut Landeskriminalamt um eine "funktionsfähige Briefbombe". Die Ermittlungen dauern an.
Josef Ackermann: Opfer eines versuchten Briefbombenanschlags

Josef Ackermann: Opfer eines versuchten Briefbombenanschlags

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

Wiesbaden - Bei dem verdächtigen Brief handelte es sich um eine "funktionsfähige Briefbombe", wie das Hessische Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Donnerstag nach ersten Untersuchungen mitteilten. Zur Zusammensetzung des Sprengsatzes wollten sich die Behörden "aus ermittlungstaktischen Gründen" zunächst nicht äußern.

Der verdächtige Brief war am Mittwochmittag in der Poststelle der Deutschen-Bank-Zentrale im Frankfurter Bankenviertel von Mitarbeitern entdeckt worden. Wie es hieß, war der Brief an Ackermann persönlich adressiert. Nach dem Röntgen in der Bank habe sich der Verdacht auf möglichen Sprengstoff erhärtet, darum wurde die Polizei eingeschaltet.

Zusammen mit der Frankfurter Polizei sei der Brief von Spezialisten des Landeskriminalamts entschärft worden, heißt es weiter in der Mitteilung. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das LKA übernahmen die Ermittlungen.

Sicherheitsvorkehrungen verschärft

Die New Yorker Polizei hatte schon am Morgen von einem versuchten Anschlag und einer Briefbombe gesprochen. Diese Information habe er aus einer verlässlichen Quelle, sagte ein dortiger Polizeisprecher. Als Absender sei auf dem Brief die Europäische Zentralbank angegeben worden.

Die Deutsche Bank hat unterdessen ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft und auch entsprechende Informationen an ausländische Niederlassungen geschickt, wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren war. Ein Sprecher der Bank wollte sich nicht zu dem Vorgang äußern.

Der Frankfurter Polizeisprecher Kießling sagte aber, Anhaltspunkte für weitere derartige Briefsendungen oder geplante Anschläge auch auf andere Banken gebe es bislang nicht.

Occupy und Attac distanzieren sich von dem Anschlagsversuch

Die bankenkritische Protestbewegung Occupy und das Netzwerk Attac haben sich von dem versuchten Anschlag auf Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann distanziert. "Wir verurteilen jegliche Aktionen, die irgendwie mit Gewalt zu tun haben", sagte Frank Stegmaier von Occupy Frankfurt am Donnerstag. "Occupy hat andere Möglichkeiten des Protests."

Die Bewegung hat seit dem 15. Oktober in der Grünanlage vor der Europäischen Zentralbank ein Protestcamp errichtet. Auch die Globalisierungskritiker von attac distanzierten sich. "Es gibt bei uns einen ganz klaren Konsens: Von uns geht keine Gewalt aus", sagte Attac-Sprecherin Frauke Distelrath.

Nach der verdächtigen Postsendung befindet sich auch die Finanzmetropole New York in erhöhter Alarmbereitschaft. Die New Yorker Polizei verschickte eine Warnung an Unternehmen in der Stadt, sie sollten "besonders vorsichtig" sein bei Paketen. Das bestätigte ein Polizeisprecher. Die Streifen rund um die Büros der Deutschen Bank wurden verstärkt.

rei/reuters/dpa
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