Commerzbank Verstaatlichung nicht ausgeschlossen?

Angeblich schließt die Bundesregierung eine Verstaatlichung der Commerzbank nicht aus, heißt es in einem Magazin. Dem Geldhaus fehlen offenbar bis zu 5 Milliarden Euro, um bis Mitte 2012 die erhöhten Anforderungen der EU-Bankenaufsicht EBA zu erfüllen.
Commerzbank: Wie geht es weiter?

Commerzbank: Wie geht es weiter?

Foto: © Alex Domanski / Reuters/ REUTERS

Berlin - Die Bundesregierung schließt nach Informationen des Magazins DER SPIEGEL eine Verstaatlichung der Commerzbank  nicht aus. Wenn es das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut nicht schaffe, sich bis zum nächsten Sommer genug Kapital zu beschaffen, werde Berlin den Bankenrettungsfonds Soffin reaktivieren und weitere Aktien des Finanzkonzerns übernehmen, berichtete das Magazin am Sonntag und berief sich auf Regierungskreise. Man gehe davon aus, dass dem Bund bei einer Kapitalerhöhung die Mehrheit der Anteile zufallen würde. Berlin lehnt es laut "Spiegel" ab, lediglich die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo zu übernehmen.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte dazu, die europäische Bankenaufsicht EBA habe ihre Zahlen, wie hoch die Rekapitalisierung einzelner europäischer Banken sein müsse, noch nicht veröffentlicht, daher werde man sich nicht an diesen Spekulationen beteiligen. Die Commerzbank muss nach einer Vorgabe der EBA wie andere europäische Banken bis Ende Juni 2012 ihre Eigenkapitalquote auf 9 Prozent hochschrauben. In den kommenden Tagen will die EBA offenlegen, wie viel Kapital sich die Kreditinstitute noch beschaffen müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

In Aufsichtskreisen heißt es laut SPIEGEL, die Commerzbank brauche rund 5 Milliarden Euro. Der Vorstand der Bank um Martin Blessing erläuterte diesen Darstellungen zufolge dem Aufsichtsrat am Freitag einen Strauß von möglichen Maßnahmen, um das Ziel ohne Staatshilfe zu erreichen. Der Erfolg hänge jedoch stark vom Fortgang der europäischen Staatsschuldenkrise ab, hieß es.

Kurz vor der Veröffentlichung der neuen Stresstest-Ergebnisse gingen die deutschen Sparkassen hart mit der zuständigen europäischen Bankenaufsicht ins Gericht. Er habe Zweifel, ob die bisherige Arbeit der European Banking Authority (EBA) "dem Ziel eines stabileren Finanzsektors" diene, sagte der scheidende Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Heinrich Haasis, der "Wirtschaftswoche". Er hielt der Londoner Behörde Willkür und Verunsicherung der Märkte vor.

Die EBA will nach Informationen aus Finanzkreisen frühestens an diesem Mittwoch die Ergebnisse des Blitz-Stresstests veröffentlichen, der angesichts der Euro-Schuldenkrise notwendig geworden war. Die EU-Politiker hatten im Oktober beschlossen, dass große Banken bis Juni 2012 strenge Eigenkapitalrichtlinien erfüllen müssen, um gegen die Krise gewappnet zu sein.

Die deutschen Geldhäuser müssen angeblich mit einer Kapitallücke von zehn Milliarden Euro rechnen, die angeblich auf die Commerzbank (5 Milliarden Euro) sowie auf den Branchenprimus Deutsche Bank (3 Milliarden Euro), auf die DZ Bank und die Landesbanken LBBW und NordLB entfallen.

Der Kapitalbedarf dürfte im Vergleich zur ersten Schätzung drastisch gestiegen sein, nachdem die EBA ihre Kriterien verschärft hatte. Außerdem basierten die vorläufigen Ergebnisse nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Samstag) noch auf dem Stand Ende Juni - also vor der Eskalation der Euro-Krise. Für die in der nächsten Woche präsentierten Zahlen sei nun der Stichtag 30. September maßgeblich. Wichtig ist dies für die Bewertung der Staatsanleihen von Krisenländern in den Beständen der Banken.

got/dpa-afxp/rtr
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