Commerzbank Krisentagung des Aufsichtsrats

Banges Warten bei der Commerzbank: Das Institut steht vor der wichtigsten Aufsichtsratssitzung seit Langem. Die Kontrolleure sollen heute nicht nur entscheiden, wie sie Milliarden frisches Kapital für die Bank zusammenkratzen können. Sondern auch, wie sie die Immobilientochter Eurohypo loswerden.
Von Ulric Papendick
Tief in der Krise: Die Commerzbank-Aktie notiert derzeit nur noch bei rund 1,40 Euro

Tief in der Krise: Die Commerzbank-Aktie notiert derzeit nur noch bei rund 1,40 Euro

Foto: © Alex Domanski / Reuters/ REUTERS

Hamburg - Wenn Commerzbank-Chefaufseher Klaus-Peter Müller am Freitag die außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrats eröffnet, haben die Kontrolleure des Frankfurter Geldhauses ein wahres Marathonprogramm vor sich.

Die Aufsichtsräte, unter ihnen BDI-Präsident Hans-Peter Keitel und Münchener-Rück-Chef Nikolaus von Bomhard, sollen zum einen darüber befinden, welcher der mehr oder weniger verzweifelten Versuche des Commerzbank-Managements, die Kapitalbasis des Instituts zu stärken, am Erfolg versprechendsten ist. Zugleich steht, verborgen hinter dem Tagesordnungspunkt "Vorstandsangelegenheiten", auch die Wahl eines neuen Finanzvorstands auf der Agenda.

Je nachdem, wie streng die europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA bei ihrem jüngsten, bisher nicht veröffentlichten Stresstest vorgegangen ist, liegt der Kapitalbedarf der Commerzbank  zwischen drei Milliarden und fünf Milliarden Euro. Die Lücke, die bis Mitte nächsten Jahres geschlossen werden muss, klafft vor allem deshalb, weil in den Bilanzen des Frankfurter Geldhauses umfangreiche Bestände an Anleihen südeuropäischer Krisenstaaten liegen.

Deshalb steht ein Punkt auch weit oben auf der Agenda der Commerzbank-Aufseher: Der Versuch, die Immobilientochter Eurohypo  loszuwerden, in deren Büchern das Gros der Problempapiere schlummert. Zumindest Teile des Immobilienfinanzierers würde das Commerzbank-Management um Konzernchef Martin Blessing gerne an den staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin abschieben - ein Vorhaben, das in Berlin allerdings auf wenig Gegenliebe stößt.

Deshalb suchen Blessing & Co. zugleich händeringend nach Möglichkeiten, um die Kapitalbasis des Instituts stärken. Eine Möglichkeit dazu wäre sicherlich der Verkauf neuer Aktien; schließlich steht der Bank noch ein genehmigtes Kapital von zwei Milliarden Aktien zur Verfügung. Abgesehen vom eher geringen Interesse auf Seiten der Investoren, könnte eine Platzierung dieser Papiere indes auch am niedrigen Börsenkurs der Commerzbank scheitern.

Die Aktie notiert nur noch bei rund 1,40 Euro. Will Blessing neue Anleger ködern, müsste er einen kräftigen Discount bieten. Eine Emission unter pari (also unter dem Nennwert von einem Euro) wäre jedoch nicht nur aktienrechtlich problematisch, sondern auch ein verheerendes Signal dafür, wie groß die Not der Bank ist.

Krisenbewältigung und neuer Finanzvorstand

Ein eleganterer Weg könnte für Müller und Blessing deshalb der Umtausch des so genannten "Hybridkapitals" der Commerzbank in Aktien sein. Der Nominalwert dieser Instrumente, zu denen Genussscheine und ähnliche Wertpapiere zählen, liegt bei etwa 3,4 Milliarden Euro. Aufgrund des desolaten Zustands der Bank werden viele dieser Hybride am Markt indes nur noch zu Kursen von 70 Prozent gehandelt, manche sogar noch deutlich niedriger.

Ein Umtausch würde der Commerzbank, die ihre Hybride nach wie vor zum Nennwert bilanziert, also einen hübschen Buchgewinn einbringen. Vor allem aber würde sie dem krisengeschüttelten Institut neues Kernkapital zuführen, schließlich werden Aktien, anders als Hybridpapiere, auch nach den strengen Basel-3-Kriterien als harte Eigenmittel gewertet.

Blessings Krisenmanager wollen den Besitzern der Hybridpapiere allerdings offenbar nur eine Prämie von 10 Prozent auf den Marktwert anbieten. Mehr, argumentieren sie intern, lasse die Europäische Kommission nicht zu. Ein Einwand, den manche Juristen für höchst zweifelhaft halten. So werde in Brüssel zwar derzeit über eine Richtlinie beraten, nach der bei Umtauschangeboten von Hybriden nur noch eine Prämie von maximal 10 Prozent geboten werden könne. Beschlossen sei aber noch nichts, zudem dürfte die neue Regel nur für einen Tausch gegen Bares gelten.

Der Truppe um Blessing stünde es deshalb frei, den Hybrid-Eignern ein attraktiveres Angebot zu machen. Tun sie dies nicht, fürchten Insider, könnte die Maßnahme verpuffen. "Bei einem Aufgeld von nur zehn Prozent wird kaum ein Investor darauf eingehen", sagt ein Beobachter. Die Bank riskiere damit eine extrem niedrige Umtauschquote und verbaue sich auch noch die letzte Chance, ihre Kapitalbasis zu stärken.

Branchenkenner bezweifeln ohnehin, dass es Blessing mit seinem Maßnahmen-Potpourri gelingt, die Kapitallücke vollends zu schließen. Deshalb bleibe den Commerzbank-Oberen am Ende kaum etwas anderes übrig, als entweder Tafelsilber wie die profitable Onlinetochter Comdirect  zu verkaufen oder abermals in Berlin um Staatshilfe zu ersuchen. Letzteres hätte für die Vorstände des Instituts indes zur Folge, dass die staatlich verordnete Obergrenze von 500.000 Euro erneut greifen würde. Umso erstaunlicher mutet die Tatsache an, dass es für den Posten des Finanzvorstands offenbar eine Reihe ernsthafte Bewerber gibt.

Um die Frage, wer den im März nächsten Jahres ausscheidenden amtierenden CFO Eric Strutz ersetzt, ist ein regelrechtes Verwirrspiel entstanden. Nach Informationen von manager magazin ist Uwe Schroeder-Wildberg, Vorstandschef des im S-Dax notierten Finanzdienstleisters MLP, ein ernst zu nehmender Kandidat (siehe dazu auch die aktuelle Printausgabe des manager magazins). Schröder-Wildberg soll sich in Heidelberg sogar schon die Zustimmung zur Auflösung seines Vertrags geholt haben. MLP-Offizielle bestreiten das jedoch mit Vehemenz - die Commerzbank, heißt es bei MLP , sei noch nicht einmal an Schröder-Wildberg herangetreten.

Neben dem MLP-Chef werden in Branchenkreisen eine ganze Reihe weiterer externer Kandidaten gehandelt, darunter der frühere HVB-Finanzchef Stefan Ermisch und der einstige Dresdner-Bank-CFO Klaus Rosenfeld, heute Kassenwart des Autozulieferers Schaeffler. Auch Rolf Friedhofen, Herr über das Zahlenwerk der Deutsche-Bank-Tochter BHF Bank, werden Chancen eingeräumt.

Wer auch immer das Rennen macht - den Aufsehern der Commerzbank dürfte der Tag wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

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