Topgeldhäuser im Visier S&P droht Deutscher Bank mit Rating-Malus

Es ist ein Warnschuss: Die Deutsche Bank ist zwar darum herumgekommen, ihre gute Bonitätsnote zu verlieren. Doch die Ratingagentur S&P hat klargemacht, dass die Vorzeichen negativ sind. Bald könnte der Bank passieren, was US-Promihäusern um Goldman Sachs bereits heute schlucken mussten.
Hauptquartier der Deutschen Bank: Mit einer Warnung von S&P konfrontiert

Hauptquartier der Deutschen Bank: Mit einer Warnung von S&P konfrontiert

Foto: ALEX DOMANSKI/ REUTERS

New York - Das war ein Schuss vor den Bug. Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's hat den Deutsch-Bankern klargemacht, wie wackelig die bisher überdurchschnittlich gute Bonitätslage des wichtigsten deutschen Geldhauses mittlerweile ist.

Die Deutsche Bank  behält ihre gute Note "A+" zwar bei. Allerdings senkte S&P den Ausblick von "stabil" auf "negativ". Das bedeutet, dass in der Zukunft eine Herabstufung droht. Die Commerzbank  lebt bereits mit diesem Makel. Die Aktienkurse der beiden wichtigsten hiesigen Finanzinstitute stehen dann auch heute im Minus: Die Titel notieren gegen 9.25 Uhr jeweils rund 2 Prozent im Minus und bilden damit das Schlussduo aller Dax-Titel.

Insgesamt nahm S&P die Kreditwürdigkeit von 37 internationalen Großbanken unter die Lupe und dabei insbesondere die US-Bankenwelt vorgeknöpft. Die größten Institute des Landes mussten am späten Dienstag nach Börsenschluss eine Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit hinnehmen.

S&P senkte die Bewertung der Citigroup , Bank of America , Goldman Sachs , Morgan Stanley  und von Branchenprimus JPMorgan Chase jeweils um eine Stufe. Das bedeutet, dass es für die Großbanken nun teurer werden dürfte, frisches Kapital aufzunehmen. Denn Investoren lassen sich ein höheres Risiko, dass sie ihr Geld verlieren könnten, mit höheren Zinsen bezahlen.

Schuldenkrise verschärft?

Dasselbe Schicksal erlitten die schweizerische UBS und die britischen Branchenvertreter HSBC , Royal Bank of Scotland  sowie Barclays . Die französischen Banken Societe Generale und BNP Paribas  konnten sich hingegen über eine Bestätigung des Ratings freuen.

S&P begründete den Rundumschlag mit neuen Bewertungskriterien, bei denen die Ratingagentur ein stärkeres Gewicht auf die Krisenfestigkeit der Geldhäuser legt. Denn S&P und die Rivalen Moody's und Fitch hatten sich in der vergangenen Finanzkrise vorhalten lassen müssen, dass sie zu gut benotet hätten. Trotz Spitzennoten musste der Staat rettend ins Finanzsystem eingreifen und so manche Bank vor dem Kollaps retten. Seitdem drängt die Politik darauf, dass die Ratingagenturen ihre Kriterien überarbeiten und transparent machen.

In jüngster Zeit hatten die Ratingagenturen sich aber aus einem anderen Grund den Zorn der europäischen Politiker zugezogen: Inmitten der Schuldenkrise hatten sie die Kreditwürdigkeit von Problemstaaten wie Griechenland immer weiter herabgestuft und damit den finanziellen Druck auf die Länder noch erhöht.

kst/rtr/afp
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