Gribkowsky-Prozess Beweisen, was nicht existiert

Dies ist die Woche der Bambino-Chefs im Gribkowsky-Prozess. An drei Verhandlungstagen sind drei Schweizer Anwälte als Zeugen geladen, um undurchsichtige Verschachtelungen und merkwürdige Geldtransfers zu erklären. Richter Peter Noll scheint das vorerst nicht viel weiterzubringen.
Von Cornelia Knust
Pilot beim Formel 1-Rennen: Ein langfristiges Geschäft mit kurzfristigen Interessenten

Pilot beim Formel 1-Rennen: Ein langfristiges Geschäft mit kurzfristigen Interessenten

Foto: Valdrin Xhemaj/ dpa

München - Der Angeklagte Gerhard Gribkowsky ist vor Gericht nicht gerade freigebig mit Reaktionen. Im laufenden Gerichtsverfahren gegen ihn am Landgericht München I wegen des Vorwurfs der Untreue und Bestechlichkeit schweigt er bisher beharrlich und hat auch seine Gesichtzüge meist gut unter Kontrolle. Heute hat er wenigstens einmal deutlich den Kopf geschüttelt und einmal sehr vielsagend genickt.

Mit Kopfschütteln quittierte er die Aussage einer Schweizer Anwältin, die in ihrer Rolle als Treuhänderin der Bambino-Stiftung und Verwaltungsratsmitglied der Bambino Holdings geladen war. In diese verschachtelte Stiftungskonstruktion hatte die frühere Ehefrau von Formel 1-Chef Bernhard Ecclestone alle Anteile an den Formel 1-Gesellschaften eingebracht, die ihr Mann ihr geschenkt hatte.

Bambino hatte 75 Prozent dieser Anteile später weiterverkauft, unter anderem an die deutsche EMTV. Über die Insolvenz von EMTV und die anschließende Pleite der Kirch-Gruppe landete knapp die Hälfte der Formel 1-Anteile 2002 bei der Bayerischen Landesbank, der Kirch sie als Pfand für einen Milliardenkredit übergeben hatte. Gribkowsky war zwischen 2003 und 2008 Risikovorstand der BayernLB und sollte die Formel 1-Anteile mit möglichst geringem Verlust verwerten, was ihm 2005 auch gelang.

"Das Verhältnis zwischen Bambino und den Banken sei ein wenig angespannt gewesen", sagte die Zeugin. Schließlich habe Bambino ein langfristiges Interesse am Betrieb der Formel 1 gehabt, die Banken (neben der BayernLB noch zwei amerikanische Geldhäuser) hätten dagegen ein kurzfristiges Interesse verfolgt. - Heftiges Kopfschütteln von Gribkowsky.

Aber war es nicht genau so? Wäre es nach dem Verkauf der Anteile an den Finanzinvestor CVC nicht normal gewesen, dass Gribkowsky und die Bambino-Direktoren sich nie mehr im Leben begegnet wären, wie auch die Zeugin sagte. Stattdessen gab es noch 2006 Kontakte, Entwürfe zu einem Beratervertrag und schließlich Zahlungen an Gribkowsky: insgesamt rund 44 Millionen Dollar von Ecclestone und Bambino.

Keine geschäftliche Grundlage für die Zahlungen

Keine geschäftliche Grundlage habe es für diese Zahlungen gegeben, sagte die Schweizer Anwältin. Doch als der Richter schon aufhorchte, erzählte sie beinahe wörtlich die Version von Bernie Ecclestone nach, er sei von Gribkowsky subtil bedroht worden, vor dem Hintergrund, dass die britischen Steuerbehörden gerade eine größere Prüfung bei ihm und seiner damaligen Ehefrau durchführten und er Gefahr lief, alle Gewinne aus der Bambino-Stiftungsmasse nachträglich versteuern zu müssen.

"Damit hätte sich nach britischem Recht die Beweislast für Ecclestone umgekehrt" erklärte die Zeugin. Ecclestone hätte beweisen müssen, dass er tatsächlich alles Vermögen seiner Frau unumkehrbar übergeben hat und dass wirklich sie die alleinige Begründerin und (zusammen mit ihren Töchtern) Begünstigte der Stiftung ist, dass es also keinerlei Verbindung zwischen Ecclestone und der Stiftung gibt.

"Es ist extrem schwer, zu beweisen, dass etwas nicht existiert", sagte die als Zeugin geladene Anwältin. Vielsagendes Kopfnicken von Gribkowsky mit bittersüßer Miene. Sogar die Staatsanwälte schienen dies tuschelnd und halb amüsiert zur Kenntnis zu nehmen.

Denn sie versuchen hier schließlich zu belegen, dass Gribkowsky von Ecclestone und Bambino Bestechungsgeld im Zusammenhang mit dem Verkauf der Formel 1-Anteile an CVC kassiert hat und dass er diese Zahlung vorab auch noch frech seinem Arbeitgeber BayernLB unterjubelte: als Provision für Ecclelstone und Ausgleichszahlung für Bambino im Rahmen des CVC-Deals. Gribkowskys Anwälte dagegen haben wenig zu erzählen: Sie müssen nur beweisen, dass nichts existiert.