Geldhäuser in Geldnot Europas Banken hecken Geldversorgung aus

In der Krise haben Europas Banken große Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen. Die Not macht erfinderisch: Laut "Wall Street Journal"  basteln die Institute an neuen Finanzierungsmodellen - und gehen dabei hohe Risiken ein.
Pariser Bankenviertel: Per Wertpapiertausch zu frischem Geld

Pariser Bankenviertel: Per Wertpapiertausch zu frischem Geld

Foto: Ian Langsdon/ dpa

London - Unter Europas Banken wächst offenbar die Angst, bald nicht mehr an frisches Geld heranzukommen. Wie das "Wall Street Journal" berichtet, arbeiten die Institute deshalb an komplizierten Konstrukten, die ihre Geldversorgung durch die Europäische Zentralbank (EZB) sichern sollen. Dabei gehe es unter anderem um den Tausch von Wertpapieren.

Die neuen Konstrukte könnten das Risiko für das ohnehin angeschlagene europäische Finanzsystem erhöhen, schreibt die Zeitung und beruft sich dabei auf Bankenvertreter und Aufsichtsbehörden. Sie seien zudem ein Zeichen dafür, dass sich die Geldhäuser darauf vorbereiten, noch lange Zeit von den Notmaßnahmen der EZB abhängig zu sein.

Seit dem Höhepunkt der Finanzkrise im Herbst 2008 versorgt die EZB die Banken mit unbegrenzter Liquidität - allerdings müssen die Institute dafür bestimmte Wertpapiere als Sicherheiten hinterlegen, zum Beispiel europäische Staatsanleihen. Laut dem Bericht werden diese Sicherheiten nun aber bei einigen Banken knapp - deshalb wollten sie neue Möglichkeiten schaffen, an das Geld der EZB zu kommen. Andere Banken sähen die Pläne als Vorsichtsmaßnahme, um sich für noch schwerere Zeiten zu rüsten.

Im Kern geht es bei den Geschäften darum, Papiere, die die EZB nicht als Sicherheiten akzeptiert, gegen Staatsanleihen oder andere als sicher geltende Papiere zu tauschen. Dabei transferieren die klammen Banken zum Beispiel die von ihr vergebenen Unternehmenskredite an internationale Investmentbanken. Im Gegenzug erhalten sie von diesen Staatsanleihen, die sie bei der Zentralbank als Pfand einsetzen können.

Schäuble befürchtet Übergreifen auf Realwirtschaft

Laut "Wall Street Journal" sollen bisher vereinzelte Banken, etwa in Italien und Frankreich, von solchen Tauschgeschäften Gebrauch gemacht haben. Nun gebe es aber Pläne, sie in größerem Maße zu nutzen. Die Aufsichtsbehörden seien deshalb zunehmend beunruhigt, weil sich die Risiken immer weiter im Bankensystem verteilten.

Die normalen Finanzierungswege der Banken sind derzeit ohnehin weitgehend verstopft. So leihen sich viele Institute untereinander kein Geld mehr, sondern greifen lieber auf die Europäische Zentralbank zurück.

Die angespannte Lage bei den Banken und in der Euro-Zone könnte auch Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland haben. Wenn die Banken selbst nur noch schwer an frisches Geld kommen, vergeben sie auch weniger Kredite an Unternehmen und Verbraucher. Das könnte Investitionen und Konsum lähmen. Nicht nur Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) fürchtet eine solche Entwicklung. Quer über den Globus gehen Regierungen und Notenbanken in Deckung vor so einer Euro-Welle. Es gebe leider Anzeichen dafür, dass die Krise auf die Realwirtschaft überspringe, sagte Schäuble am Donnerstag bei einer Konferenz der deutschen Versicherungsbranche.

ak/dpa/ap
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