Folgen der Schuldenkrise LBBW verbucht Quartalsverlust

Die Staatsschuldenkrise setzt der größten deutschen Landesbank LBBW erneut heftig zu. Im Sommer schrieb das Institut wieder rote Zahlen. Für das Gesamtjahr soll unterm Strich aber noch ein Gewinn stehen - wenn die Schuldenkrise nicht weiter eskaliert.
LBBW-Zentrale: "Die Zukunft liegt ausschließlich im Kundengeschäft"

LBBW-Zentrale: "Die Zukunft liegt ausschließlich im Kundengeschäft"

Foto: Bernd Weissbrod/ picture alliance / dpa

Stuttgart - Im dritten Quartal verbuchte das Stuttgarter Institut einen Verlust von 191 Millionen Euro vor Steuern. Die Spannungen an den Finanzmärkten führten zu Belastungen bei den volatilen Kreditausfallversicherungen, zudem seien weitere Abschreibungen auf Staatsanleihen des vom Bankrott bedrohten Griechenland vorgenommen worden, teilte die Bank am Donnerstag mit. Seit Jahresbeginn summierten sich die Belastungen durch die Schuldenmisere in der Euro-Zone somit auf rund 750 Millionen Euro.

Vorstandschef Hans-Jörg Vetter bekräftigte dennoch den Ausblick und seine Strategie, riskante Altlasten "rigoros" abzubauen. "Die Zukunft der LBBW liegt ausschließlich im Kundengeschäft", sagte Vetter. Mit den staatlichen Eignern - den Sparkassen, dem Land Baden-Württemberg sowie der Stadt Stuttgart - würden wegen der deutlich erhöhten Anforderungen an die Kapitalausstattung weiterhin Gespräche über die Umwandlung oder Härtung der stillen Einlagen im kommenden Jahr geführt.

In dem in wenigen Wochen zu Ende gehenden Jahr will die LBBW sowohl nach dem deutschen Bilanzstandard HGB als auch nach den internationalen IFRS-Vorschriften schwarze Zahlen schreiben. Die Verunsicherung an den Finanzmärkten sei aber weiterhin "sehr deutlich spürbar", zudem trübe sich das wirtschaftliche Umfeld ein. Die Staatsschuldenkrise dürfe sich nicht ausweiten, andernfalls ist die Prognose Makulatur.

Das vor allem aus dem guten Auftaktquartal dieses Jahres stammende Gewinnpolster der LBBW ist per Ende September deutlich zusammengeschrumpft: Von Januar bis September erwirtschaftete die Bank einen Konzernüberschuss von 245 Millionen Euro, im ersten Quartal dieses Jahres hatte die Bank allein 352 Millionen Euro Gewinn verbucht. Vor Jahresfrist hatte die LBBW allerdings im Neun-Monats-Zeitraum noch einen Verlust von 147 Millionen Euro eingefahren.

Moody's senkt LBBW-Rating um drei Stufen

Am Mittwoch hatte die Bewertungsagentur Moody's das Rating für zehn deutsche öffentliche Banken zurückgenommen. Die Bewertung der LBBW wurde dabei um drei Stufen herabgesenkt. Zur Begründung hieß es, die Unterstützung durch den Staat im Krisenfall werde unwahrscheinlicher.

Die größte deutsche Landesbank hatte nach der Krise 2009 gerettet werden müssen, nachdem sie selbst den Krisenfall SachsenLB übernommen hatte. Die Gesellschafter - Land, Stadt Stuttgart und Sparkassen - unterstützten das angeschlagene Institut mit einer Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro. Die Europäische Union machte eine Restrukturierung der Landesbank zur Bedingung für die Genehmigung der Hilfen.

Eben diese Restrukturierung komme gut voran, hieß es. So solle noch in diesem Jahr ein Käufer für die 21.500 Wohnungen im Immobilienbestand der Bank gefunden werden. Bereits im ersten Halbjahr hatte sich die LBBW von Anteilen an der Deka-Bank sowie der Energiebörse EEX getrennt. Zudem ging der Abbau der Arbeitsplätze weiter voran. Zum 30. September zählte die LBBW den Angaben nach 12.382 Beschäftigte, 679 weniger als zum Jahresbeginn.

ak/rtr/dapd
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