Donnerstag, 18. Juli 2019

Rote Zahlen Ungarn-Kredite belasten BayernLB

"Politisch motivierter Eingriff": Ungarns Premier Viktor Orban schert sich nicht um westliche Geldgeber

Die BayernLB ist im dritten Quartal 2011 wieder in die Verlustzone gerutscht. Diesmal macht die Landesbank die ungarische Regierung dafür verantwortlich. Bankchef Gerd Häusler zog seine Voraussage eines Jahresgewinns zurück.

München - Vor Steuern fiel im Zeitraum von Juli bis September ein Verlust von 92 Millionen Euro an, teilte Deutschlands zweitgrößte Landesbank am Mittwoch in München mit. In den ersten beiden Quartalen hatte es noch schwarze Zahlen gegeben.

Die Risikovorsorge für faule Kredite wurde deutlich aufgestockt. Zudem mussten auf griechische Staatsanleihen noch einmal 25 Millionen Euro abgeschrieben werden. Damit stehen Hellas-Bonds noch mit 47 Prozent ihres Nominalvolumens von 165 Millionen Euro in der Bilanz.

Am härtesten traf die Bank aber eine unerwartete Gesetzesänderung in Ungarn, die aus Sicht der BayernLB einer Enteignung gleichkommt. Ungarische Bankkunden haben nun die Möglichkeit, mit Abschlag aus Krediten auszusteigen, die in Fremdwährungen wie Euro oder Schweizer Franken aufgenommen wurden - diese in den vergangenen Jahren verbreitete Praxis bedroht wegen der Abwertung des Forint die privaten Bilanzen der Ungarn wie auch in anderen osteuropäischen Ländern.

Die Ungarn-Tochter MKB habe in diesem Zusammenhang vorsorglich eine Rückstellung von 108 Millionen Euro gebildet. Ohne diesen "politisch motivierten Eingriff" hätte es einen Quartalsgewinn gegeben, teilte die BayernLB mit. Auch österreichische Banken wie Raiffeisen und Erste Bank oder die italienische Unicredit Börsen-Chart zeigen protestieren gegen das Gesetz und rufen die EU um Hilfe.

Bankchef Gerd Häusler sagte, das Kerngeschäft sei solide gelaufen und werde durch die Sonderlasten überschattet. "Im Ergebnis haben uns leider die staatlichen Eingriffe in Ungarn sowie die Auswirkungen der Staatsschuldenkrise daran gehindert, die Reihe von zuvor sechs positiven Quartalen fortzusetzen." Häusler zog seine Prognose zurück, im Gesamtjahr einen Gewinn einzufahren, der aber unter dem Vorjahreswert liegen werde. Nach den ersten neun Monaten liegt der Profit vor Steuern bei 152 Millionen Euro, 77 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

Der Freistaat Bayern hatte die Landesbank Ende 2008 mit zehn Milliarden Euro vor dem Kollaps bewahrt. Zu den milliardenschweren Fehlern der Bank zählte vor allem der überteuerte Kauf der Kärntener Landesbank Hypo Alpe Adria, die schließlich für einen symbolischen Euro an die Republik Österreich abgetreten wurde.

ak/rtr/dapd

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