Gribkowsky-Prozess Der Herr von Bambino kommt nicht

Formel-1-Chef Bernie Ecclestone war bereits als Zeuge da, sein engster Berater Stephen Mullens hat jedoch kurzfristig abgesagt. Seine Aussage wurde trotzdem zu Protokoll gegeben. Demnach war der angeklagte Bayern-Banker Gerhard Gribkowsky "wie eine Wespe".
Von Cornelia Knust
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München - Stephen Mullens hat es vorgezogen, dem Prozess gegen Ex-BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky fernzubleiben. Mullens, einst enger juristischer Berater und jahrelanger Vertrauter von Formel-1-Chef Bernhard Ecclestone sowie seiner geschiedenen Frau Slavica, war eigentlich für heute als Zeuge am Landgericht München I geladen. Laut Richter Peter Noll hat Mullens' deutscher Anwalt brieflich mitgeteilt, dass der Zeuge von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch mache, um sich nicht selbst zu belasten, da gegen ihn auch ermittelt werde.

Noch ist nicht ganz klar, was das bedeutet und wie es den weiteren Verlauf des Münchner Prozesses beeinflusst. Mullens stützte laut Vernehmungsprotokollen einerseits die These, Gribkowsky habe Ecclestone mit einer Steuersache erpresst. Deshalb sei die Summe von 44 Millionen Dollar auf die österreichischen Konten des Bankers geflossen. Andere Aussagen sind weniger eindeutig und könnten wiederum die Annahme der Staatsanwaltschaft untermauern, Gribkowsky habe sich im Rahmen seiner Vorstandstätigkeit bei der BayernLB von Ecclestone bestechen lassen.

Ecclestone hatte in seiner eigenen Zeugenvernehmung in München vergangene Woche Mullens ausdrücklich von seiner anwaltlichen Schweigepflicht entbunden. Er hatte aber auch gesagt, das Verhältnis zwischen Mullens und ihm habe sich in letzter Zeit stark abgekühlt. Im September 2011 ist Mullens von allen Positionen in der Formel 1 zurücktreten.

Was das genau für Positionen waren, ist undurchsichtig. Offiziell agierte er vor allem als Anwalt oder "Direktor" von Bambino Trust, einer Stiftungskonstruktion in Liechtenstein, die Slavica Ecclestone aus dem Vermögen ihres Mannes begründet hatte. Teil dieses Vermögens waren 25 Prozent an einer Dachgesellschaft der Formel 1 (SLEC), die gemeinsam mit den knapp 50 Prozent der BayernLB an der Formel 1 an den Finanzinvestor CVC verkauft wurden.

"Wie eine Wespe"

Die Umstände dieses Verkaufs sind es, die das Gericht interessieren. Der Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, der Mullens im Mai 2011 dreimal vernommen hat, war heute anstelle von Mullens als Zeuge geladen, referierte aus den Protokollen und eigener Erinnerung. Laut Mullens hat Gribkowsky schon im Oktober 2005, also Wochen vor der Vorstandssitzung der BayernLB, die über den Verkauf der Anteile an CVC befand, Druck aufgebaut, Dienste angeboten und eine Gewinnbeteiligung von rund 50 Millionen Dollar aus diesen möglichen Diensten eingefordert. "Er war wie eine Wespe", habe Mullens gesagt, sagte der vernehmende Staatsanwalt.

Der Entwurf eines formellen Beratervertrags zwischen Gribkowsky und Bambino, der die dann tatsächlich geflossenen Zahlungen an den Banker begründen sollte, wurde nach Mullens Aussage aber erst im Frühjahr 2006 formuliert. Rätselhaft bleibt, warum ein Fax mit dem Vertragsentwurf von Mullens Fax-Anschluss aus an Ecclestone gesendet wurde, Mullens selber aber sagt, er kenne diese Fassung des Entwurfs nicht, der in seinen Formulierungen auch nicht von einem englischen Muttersprachler wie ihm stammen könnte.

Ein neuer Aspekt in Mullens' Aussage ist, dass Gribkowsky schon 2004 in einem Gerichtsverfahren in London gegen Ecclestone, das sich um die Besetzung des Verwaltungsrats der Formel 1-Gesellschaften drehte, den Vorwurf erhoben hatte, Ecclestones Liechtensteiner Stiftungskonstruktion sei steuerlich anfechtbar. Wie habe das später noch als Druckmittel gegen Ecclestone dienen können, wundert sich Richter Peter Noll, "wenn das schon aktenkundig war - bei einem Gericht der Krone".

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