Zehn-Milliarden-Verlust Unicredit versucht den Befreiungsschlag

Italiens größte Bank Unicredit räumt nach einem Megaverlust von mehr als zehn Milliarden Euro im dritten Quartal die Bilanz auf. Das Kreditinstitut gab am Montag bekannt, eine Kapitalerhöhung im Volumen von 7,5 Milliarden Euro zu planen. Zum Konzern gehört auch die HypoVereinsbank.
Schwere Last: Die Unicredit wird als einzige italienische Bank von den europäischen Aufsehern als systemrelevant eingestuft

Schwere Last: Die Unicredit wird als einzige italienische Bank von den europäischen Aufsehern als systemrelevant eingestuft

Foto: AFP

Mailand - Die italienische Großbank Unicredit will sich mit radikalen Schritten aus dem Abwärtsstrudel der Schuldenkrise in Europa befreien. Als erste Großbank Europas kündigte sie am Montag eine umfangreiche Kapitalerhöhung an, um die künftigen Anforderungen bei einer marktgerechten Bewertung der von ihr gehaltenen Staatsanleihen zu erfüllen.

Unicredit will sich 7,5 Milliarden Euro frisches Geld besorgen. Die europäische Bankenaufsicht EBA hatte zuletzt bei den Italienern einen Kapitalbedarf von 7,4 Milliarden Euro ausgemacht, um das Ziel einer Eigenkapitalquote von 9 Prozent auch im Fall einer kompletten Abschreibung der Staatsanleihen aus Euro-Krisenländern auf den aktuellen Marktwert zu halten. Nach Angaben der Bank erreicht sie nach dem Plan eine Kernkapitalquote von 10,35 Prozent zu Ende September. Die übrigen Institute in Europa haben bislang angekündigt, den geforderten Kapitalpuffer aus eigener Kraft zu schaffen.

Die Unicredit zapft mit der Kapitalerhöhung nun zum dritten Mal seit der Finanzkrise 2008 den Finanzmarkt an. Bei den beiden vorangegangen Schritten hatte die Bank zusammen sieben Milliarden Euro eingenommen. Seitdem ist der Staat Libyen als Großaktionär mit an Bord. Die neuerliche Kapitalerhöhung soll im Dezember offiziell von den Aktionären beschlossen werden.

Diese Finanzspritze sei komplett durch ein Bankenkonsortium garantiert und solle im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden. Für 2011 kündigte das Institut an, die Dividende zu streichen. Das wird die größten Eigentümer, darunter auch die Allianz , hart treffen.

5200 Arbeitsplätze sollen in Italien wegfallen

Im dritten Quartal habe es Firmenwertabschreibungen von rekordverdächtigen 9,6 Milliarden Euro und einen Verlust von 10,6 Milliarden gegeben. Zu den größten Beteiligungen des Konzerns zählen die 2005 übernommene HypoVereinsbank mit Sitz in München und die Wiener Bank Austria, die starkes Geschäft in Osteuropa betreibt. Die Abschreibungen wurden mit Schwierigkeiten in der Ukraine und Kasachstan begründet. Bis 2013 will die Bank in ruhigeres Fahrwasser und auf einen Gewinn von 3,8 Milliarden Euro kommen.

Dazu sollen allein in Italien bis 2015 rund 5200 Stellen wegfallen, das sind 12 Prozent der dortigen Belegschaft. Damit folgt die UniCredit vielen anderen Banken, die zuletzt zusammen weltweit den Abbau von mehr als 110.000 Arbeitsplätzen angekündigt hatten. Außerdem will die UniCredit den Aktienhandel in London schließen. Auch einige Aktivitäten in Osteuropa könnten zur Disposition stehen.

Aktien der Unicredit  wurden am frühen Nachmittag vom Handel ausgesetzt. Nach der Freigabe stürzten sie um knapp 10 Prozent ab, nachdem sie am Morgen noch mit plus 3,5 Prozent an der Spitze des europäischen Leitindex EuroStoxx 50  gestanden hatten.

ak/rtr/dpa-afx

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